Posted: October 29th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Weltkulturerbe | 11 Comments »
Man merkt tatsächlich erst wie klein man ist, wenn man den Bezug zu dem Großen aufgebaut hat. Riesen Hörsääle für 600 Leute, und da sitzt man zwischen vielen anderen anonymen Gesichtern. S-Bahn, U-Bahn- einer steigt ein, einer steigt aus, und alle tragen dieselbe situationsbedingte Maske, die unverkennbar: NICHTS! schreit.
Da merkt man, wie sehr man sich verschätzt hat in seiner eigenen Selbstkentniss- dass man doch nicht so offen und flexibel und zugänglich ist, wie man immer dachte, weil man sich erschreckt, wenn man auf offener Straße angesprochen wird. Weil man an einer so großen Institution wie der Universität nur drei Leute kennt, und langsam keine Ausreden mehr einfallen, wie man mehr ansprechen könnte.
So läuft das. Auf einmal ist das Ego ganz klein und man fährt alleine nach Hause und scheut sich, lachend und tanzend herumzuspringen, so wie man es normalerweise cool finden würde, weil man keinen Namen hat, der das rechtfertigen könnte. Man muss jetzt langsam selbst anfangen, sein Haus zu bauen, ein großes Reklameschild dranhängen, und nicht nur mit dem Geburtsstempel der Heimatstadt gesegnet sein.
Das ist Bürde, aber mehr als das ist es Freiheit- denn man wächst. Man wächst mit jedem Wort, dass man an Fremde richtet, und man lernt sich selbst kennen. Fängt an, Menschen zu dutzen, weil man das hier eben so tut, auch wenn die Etikette einem anderes sagt. Man macht sich locker, auch wenn man für “Zu Hause”-Verhältnisse eben verdammt locker war, und noch lockerer ist nur ein Haufen Schnee auf einer Erdnuss.
Die Nachbarn kennen lernen- spätestens, wenn sie das Paket nach einer Woche immer noch nicht abgegeben haben. Den Chinamann untem am Haus testen, auch wenn er extrem unfreundlich sein soll. Den Typen am Kiosk grüßen, wo man jeden Tag seine Kippen kauft. Schritt für Schritt, langsam, aber irgendwann kommt man da hin. Und dann gehört die Welt mir.
Posted: October 4th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Weltkulturerbe | 8 Comments »
Ich habe lange überlegt, warum ich eigentlich nach Berlin wollte. Gestern sind mir diese Gründe alle auf einmal wieder eingefallen- und das, nachdem ich schon in Panik und Verzweiflung wochenlang glaubte, dass ich die falsche Entscheidung getroffen hätte.
Das erste Mal, als ich Berlin besuchte, war ich 14 Jahre alt und mit meiner Mutter zu einem ihrer Religions-Seminare unterwegs. Da sie den ganzen Tag beschäftigt war, konnte ich mich in irgendwelche Busse oder U-Bahnen setzen und durch die Stadt düsen. Ich hatte damals erst ganz frisch noch einen Film über Hitler, den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit gesehen, irgendein grottenschlechter Spielfilm. Aber dennoch blieben die Bilder im Kopf- und als ich in Berlin war, spürte ich genau, was dieser Film versucht hatte zu sagen.
Berlin ist eine historische Stadt- aber so frisch die Wunden und Narben, dass man die Geister der Vergangenheit an jeder Ecke spürt. Reichstag, Siegessäule, Brandenburger Tor- das sind zwar nicht unbedingt die Orte, an denen ich mich jetzt aufhalte, aber es sind die Stellen, die einen immer wieder faszinieren, daran erinnern, was passierte. Das Grundgesetz ist auf jedem wichtigen Gebäude abgedruckt oder erwähnt, die anti-faschistische Szene in Demos so präsent, dass man kaum weggucken könnte. Selbst wenn man es wollte.
Es hat mich erschlagen, aber nicht negativ. Nach der ganzen Tourirunde fühlte ich mich auf einmal belebt, wenn teilweise auch depressiv und vom Weltschmerz überkommen. Aber es war gut- denn Berlin zeigt dir nicht, wo die Moderne liegt, nicht irgendeine außergewöhnliche Schönheit, sondern klipp und klar das, was eine europäische Großstadt einfach ist- dreckig, laut, und voller Geschichte. Das packt mich, das fesselt mich.
Aber so einen Strebergrund brauch noch nicht mal ich, um Berlin gut zu finden. Natürlich gibt’s ranzige, unsympathische Orte und Seiten- aber größenteils ist diese Stadt einfach der Inbegriff von Freiheit und Ausbruch aus schrecklichen Systemen, jedenfalls für mich. Da gibt’s noch eine gewisse Undergroundszene an Kunst und Musik, an Gruppierungen und Lokalitäten, die ich entdecken möchte. Klar gibt’s das auch in Frankfurt- aber nicht in diesen Ausmaßen. Im Übrigen ist Frankfurt auch viel schöner und hat einen klareren Großstadtflair, wohl wegen der Skyline. Auch das Mainufer ist gepflegter. Nur ist es niemals so entspannt und doch gereizt und gefährlich.
Es gibt noch viele andere Gründe dafür, warum ich hier bin. Die sind allerdings nicht mal im Ansatz nachvollziehbar, muss auch nicht sein. Mir geht’s grad gut, und ich hoffe nur, dass es für eine Weile auch so bleibt.
Posted: September 28th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 11 Comments »
Ich werde mich einmal wieder dazu erdreisten, über etwas zu schreiben, wovon ich keine Ahnung habe. Das macht mich höchstwahrscheinlich zu einer ignoranten, voreingenommenen Person. Aber verdammt nochmal, ich steh auch auf Schoko-Bananen-Shampoo ausm DM für 1,70 €. Da werd ich ja wohl mal auch so tun dürfen als ich wäre ich genau diese Person, die man sich am Regal sabbernd dabei vorstellt, wie sie sich zu Hause mit einem so wohlriechenden Duft einschäumt.
Jedenfalls.
Die Lust zu reisen sollte kein kulturelles Muss sein. Keine gesellschaftliche Pflicht. Sich den Rucksack umzuschnallen sollte etwas von Neugier haben, von Unruhe, von Intensität, von Abenteuer, von Ungewissheit, von Lust, von Temperament, von Größenwahn und außerdem machen Rucksackreisen wohl nur Spaß, wenn man dabei Pearl Jam im Hintergrund hören kann. Als eigener Film, sozusagen.
Aber das ist gelogen. Bei solchen Reisen, in fremde Welten, durch den Dschungel, sollte es nicht mal Pearl Jam geben, die einen dabei begleiten, wenn der Penisfisch sich schmerzhaft einnistet. An dieser Stelle gibt es nur Gott, einen kleinen, armen Mann, der sein Pipi nicht mehr halten konnte und einen machtbesessenen Penisfisch, dem ich jeden Respekt zolle, denn ich weiß, dass dieser Fisch sicher auch ein Pendant für die Weiblichkeit hat, und– naja, ihr wisst schon.
Wo das jetzt ausgesprochen ist, kann ich euch auch genau erklären, was ich überhaupt nicht ausstehen kann. Das sind Leute (insbesondere Typen, bei Frauen ist das mehr oder weniger entschuldigt weil sie ab und zu ihre Tage kriegen und emotionale Kriesen in dramatischen Ausführungen durchstehen müssen, schwanger werden und diesbezüglich sowieso unfähig sind irgendetwas richtig zu machen) , die ein Jahr im Vorraus sich erstmal 4 Monate frei nehmen vom Job. Dann sitzen sie mit ihrem Weib oder der Affäre des Tages oder irgendeiner anderen fickbaren Muschi am Esstisch zu Hause und überlegen, ob nicht Thailand die richtige Wahl wäre! Weil Mama und Papa auch gerne pampern, muss man sich gar nicht zurückhalten bei den Ausgaben- hier ein Hotel, da ein Hotel, da die Führung, da dies, da jenes, und weil das Budget eigentlich unbegrenzt ist, kann man doch gleich noch drei, vier andere angrenzende Länder mit einbeziehen. All inclusive, versteht sich.
Da werden Reiseführer studiert (und zwar nicht nur einer oder zwei zum jeweiligen Land; nein, man kauft sich auf jeden Fall mal von jedem wichtigen und von einem unwichtigen Verlag drei oder vier Ausgaben, um auch alles abgedeckt zu haben); Erfahrungsberichte werden auswendig gelernt und den Freunden, die es noch interessiert, zum Sonntagsbrötchen aufgetischt. Wusstet ihr, dass es in Vietnam keine asphaltierten Straßen gibt? (Anmerkung: Ich hab keine Ahnung, ob das stimmt, es soll nur meinem Beispiel dienen.) Nein? Ich weiß alles darüber!
Man tastet sich langsam an die Kultur heran, indem man schon alle lokalen Restaurants in der Umgebung ausprobiert, um eine Ahnung davon zu kriegen, woran man sich gewöhnen muss. Man packt die ganz wichtigen Medikamente natürlich ganz oben rein, man weiß ja, dass es am Anfang schwierig wird. Schließlich kauft sich unser Freund noch den richtig teuren Rucksack, die teueren Trekking Klamotten, die teuren Schuhe, die mittel-teure Uhr und die mittel-teure Sonnenbrille (könnte ja geklaut werden), noch eine richtig teure Digitalkamera (SPIEGELREFLEX), manchmal macht man davor am besten noch einen Crash-Fotokurs, einfach gut, einfach strukturiert, völlig geplant.
Kotzen.
Ja, ich krieg das Kotzen. Und ja, ich weiß dass ich noch nie so eine Reise gemacht habe, aber verdammt noch mal, wisst ihr, was das für Leute sind, die ihr Leben so aufziehen? Das sind Leute, die Golf spielen (nicht, weil es Spaß macht, das soll’s ja auch angeblich geben, sondern weil man sich dadurch ganz leicht das Gefühl geben kann, ein bisschen in die besser verdienende, schöner aussehende Klasse gerutscht zu sein)! Das sind Leute, die nicht mal in einer deutschen Großstadt einen Stadtplan oder irgendwelche Sehenswürdigkeiten in Erwägung ziehen würden, weil es Deutschland ist. Das sind Leute, die eine Reise machen, um eine Reise gemacht zu haben- um am Ende der Familie und den Freunden die Dias auf den Tisch zu knallen und die lustigen Geschichten zu erzählen.
Aber was für eine Art von Erfahrung ist das? Das sind Typen, die nicht ohne ihre Muschi reisen können, denn alleine macht’s keinen Spaß. Das sind Leute, die sich das nicht erarbeitet haben, sondern sich so eine “dreckige” Reise als Statussymbol, als ein Prestige gönnen- wow, sie haben sich dazu erniedrigt, mit dem einfachen Volk durch den Sumpf zu stampfen.
Und wenn mir dann auch noch jemand ganz stolz was davon erzählt, nur um es zu erzählen (da liegt der Knackpunkt)- dann beeindruckt mich das nicht. Erfahrungen sind nicht für andere. Die sind für einen selbst. Und dieser Reisewahn, dieser verfluchte Mainstream, dieses “Into-The-Wild”-Phänomen– alle wollen Aussteiger sein, alle wollen sich gesellschaftlich abheben, aber sehen sie denn nicht die Ironie dahinter? Diesen großen Witz, dass es eben nicht darum geht, mal woanders gewesen zu sein, und eine andere Kultur beobachtet zu haben, sondern dass man sie erlebt? Wirklich fühlt, so gut es geht, und den Konflikten nicht aus dem Weg geht sondern etwas neues zu finden, dass einen selbst bereichert.. der Reiseführer, die Bustouren und die finanzielle Ungebundheit (über die ich mich gerade eigentlich gar nicht beschweren will- ich stells mir nur nicht wirklich spannend vor, wenn man sich aus allem rauskaufen kann) lenken einen vom Wesentlichen ab. Das ist nicht nur in fremden Ländern so- es ist auch so wie im ersten Teil von Harry Potter, als Hermine feststellen musste, dass sie nur durch das Bücher wälzen niemals lernen wird, wie man einen Besen fliegt. Man muss sich darauf einlassen. Man muss darin aufgehen.
Wenn man das weder in Bremen, Darmstadt, Wanne-Eickel noch irgendeiner anderen Puffstadt kann, dann wird das in Alaska, Südafrika oder Bolivien wohl auch nichts mehr. Vielleicht bin ich ungerecht, voreilig, abstempelnd- vielleicht haben diese Menschen, die diese Sache so angehen, das gleiche Recht auf eine Rucksacktour wie der verdreckte Typ der es sich hart und mit leidenschaft erarbeitet hat. Dennoch bin ich nicht überzeugt davon, dass es die gleiche Qualität hat. Nun gut, vielleicht braucht es der eine mehr als der andere- als Impuls und als Wegweiser.
Seht ihr, ich würde auch niemals einen belämmerten Club-Urlaub machen, oder nach Malotze an den Ballerman fahren um mal so richtig durchgetestet zu werden- oder an irgendeinen Strand in Ägypten mit All-Inclusive Paket für die ganze Familie, und das einzige, was man vom Land sieht ist die hässliche Wüste auf der Strecke Flughafen-Hotel. Es gibt aber Menschen, die machen das gerne, die wollen nicht mehr und nicht weniger und dagegen habe ich absolut nichts- jeder so, wie er es braucht. Aber diese verschissenen Lackaffen, die eigentlich genau in diesen Cluburlaub gehören, denken sich: Oh nein, oh nein! Cluburlaub ist was für die Mittelschicht (oder was weiß ich wie und ob das überhaupt rationalisiert wird)! Es ekelt mich an. Rucksackreisen für die Schickeria.. nicht ernst gemeint, nicht vom Herzen aus, sondern nur die Grundausbildung zum Posen..
Und deshalb können mich diese braungebrannten Gigolos in Polohemd und Tennisattitüde mal ganz dezent am Arsch lecken.
Posted: August 30th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 5 Comments »
Ich dachte ja immer, ich wäre ein süßes Kind gewesen. Als Baby mag das durchaus zugetroffen haben. Ich war ein süßes, wenn auch debiles, fettes und ein bisschen Chinesisch-aussehendes, FETTES Kind, das ständig gesabbert hat, nicht richtig krabbeln oder laufen konnte und sich die meiste Zeit ein komisches Plastiktelefon gegen den Kopf gehämmert hat. Das habe ich jedenfalls letztens entdecken können, als ich ca. dreitausend von Video auf DVD übertragene Kindheitserinnerungen fand. Ich dachte erst, es wären “versteckte” Pornos oder so, weil mir nicht bewusst war, dass sich irgendwer in der Familie mal die Mühe gemacht hat, irgendwas auf DVD zu übertragen. Aber ich lag falsch, und statt nackter Haut begegnete mir meine eigene kleine Wonneproppenfresse, minus Wonneproppen.
Schön und gut, als Baby, das kann man noch vertreten. Aber als ich das Video von 1993 fand – mein kleiner Bruder, das mit Abstand süßeste, goldigste, und hübscheste Baby auf der ganzen Welt, war schon ein Jahr alt – bin ich aufgesprungen, habe geschrien, war wütend, habe mich wieder hingesetzt, die Tränen fielen von meinen Wangen und ich musste mich für mich selbst schämen. Ich war nicht nur einfach hässlich, nein, ich war auch ein Arschlochkind. Ich war so eine kleine Nervensägescheisserarschlochmuschi! UND DAS SCHON MIT VIER JAHREN! Kein Wunder, dass ich so traumatisiert bin, wie ich bin. Und die Frisur erst. Ich hatte einen Lockenfokuhila, das möchte man sich mal vorstellen. U nd jetzt wundert mich auch nicht mehr, warum es eigentlich bis zu meinem 16. Lebensjahr kaum Fotos von mir gibt; entweder, meine Mutter hat sie in einem manischen Anfall der Verleugnung zerrissen, oder niemand konnte mich jemals überhaupt fotographieren, weil man vorher an seiner eigenen Kotze ersticken musste.
Yap, das ist sie, die ganze Wahrheit. Selbst auf den Videos, auf denen ich zu sehen bin, merkt man, dass man krampfhaft lieber die anderen Geschwister auf Kamera möchte. Und eigentlich hätte es mich kaum gewundert, wenn man mich ständig angeschrien hätte. Ich würd’s auch nachvollziehen, wenn die mich in nen Sack mit Welpen gepackt und ins Meer geworfen hätten, wirklich. So ein Kind kann man nicht tolerieren, man kann es nur umbringen, einsperren oder für immer so tun, als wäre man blind.
Wie meine Eltern das ausgehalten haben, ist bis heute fraglich. Ich muss sagen, ich habe mich durchaus weiterentwickelt. Entweder das, oder ich habe mich schon viel zu sehr an mich selbst gewöhnt. In diesem Falle müsste ich mich jetzt sofort selbst zerstören.
Die Frisur war echt grausam. Nicht mal die 80er oder 90er können das rechtfertigen. Ich bin für immer geschädigt. Und es wäre alles nicht halb so schlimm gewesen, wenn nicht mein kleiner Bruder im Kontrast einfach so ein kleiner Engel gewesen wäre (ich habe ihn übrigens als total hässliches Kind in Erinnerung), und wenn die mir nicht alle immer erzählt hätten, ich wäre das süßeste Kind der Welt gewesen. Unglaublich, was Lügen alles machen können.
Posted: August 16th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 7 Comments »
Dinge, die ich seit Ende der Schulzeit gelernt habe:
- Ich weiß nicht, worum es im Leben geht.
- Ich weiß nicht, womit ich später mein Geld verdienen möchte.
- Ich möchte am liebsten unsichtbar sein, wenn Menschen ihre Stimmen erheben.
- Zu viel Knoblauch schmeckt NICHT besser als zu wenig.
- Man braucht viele Papiere und Scheine, um eine Wohnung mieten zu dürfen.
- Bafög kann man auch nach einem Fachwechsel noch bekommen, aber die Chance dafür ist weitaus geringer.
- Ein FSJ kann man auch nach Ablauf der Frist noch beantragen.
- Ich hasse meinen Vater nicht, ich empfinde ihm gegenüber einfach überhaupt nichts.
- HipHop kann sehr deprimierend sein, wenn man weiß, worüber die aus dem Ghetto rappen
- Ich bin ziemlich naiv, wenn es leichter ist, als zu arbeiten
- Geld wächst auf Bäumen, man muss nur wissen, wo diese Bäume stehen.
- Alkohol kann durchaus das Leben verschönern, und wenn man das erstmal bemerkt, sollte man vielleicht die Flasche absetzen.
- Musik ist tödlich.
Posted: August 15th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 1 Comment »
Hach, schön waren die Zeiten (vor knapp 8 Wochen) als meine größte Sorge war, ob ich…
Posted: August 1st, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 9 Comments »
Ich bin immer wieder überrascht, wie leicht man sich selbst täuschen kann. Vor einiger Zeit habe ich einen jungen Mann kennengelernt (damit fängt alles an, und nein, ich bin nicht schwanger), an einer Studentenparty. Interessanterweise sind wir beide keine Studenten und hatten auch nichts miteinander zu tun. Ich weiß noch, wie ich, völlig betrunken, am Anfang des Abends in der Ecke stand mit zwei meiner Freundinnen, und ihn sah. Ich bekam einen Stoß in die Rippen und meine Freundin fing an davon zu kichern, dass dieser Typ total das Brett sei und unglaublich gut aussähe, und so weiter und so fort. Fand ich natürlich auch. Und nachdem wir dann genug aus der Ferne geglotzt hatten, drehten wir uns um und beschäftigten uns mit der Fleischwarentheke unserer Liga.
Und da haben wir es schon. Unsere Liga. Der Fehler jeder Frau ist es zu glauben, Männer seien genauso strunzdumm und auf Aussehen begrenzt wie Frauen selbst. Das mag jetzt paradox und anti-Klischee klingen, und wir wissen alle, wie sehr ich auf Klischees stehe und sie tagtäglich für jegliche Selbstbestätigungszwecke verwende- aber in diesem Fall ist es einfach ganz anders. Männer gehen viel behutsamer mit Frauen um, als man zu meinen glaubt, sie sind viel ehrlicher, und auch viel interessierter an dem, was hinter der Fassade abgeht. Ich kenne ganz, ganz wenige Männer, die wirklich auf den “STYLE” von Frauen bedacht sind, d.h. tatsächlich auf die Schuhe oder Taschen gucken und danach bewerten, wie teuer die Marke ist. Es gibt wahrscheinlich mehr Männer, die auf Frauen mit Birkenstocks stehen, als andersherum, und das ist so, weil Frauen einfach konkurrenzgeile Schlampen sind die befruchtet werden wollen.
Jawohl. Und nur weil unsere hochtrabende und übermütige Rasse jeden Typen direkt in eine Kategorie einordnet (1- Sieht gut aus, 2- Sieht okay aus, 3- Desperate Fuck, 4 – Niemals werde ich diesen Kerl anfassen), glauben wir, es wäre andersherum genauso. Dabei sind, meiner wertlosen Erfahrung nach jedenfalls, Männer nur in zweiter Linie auf der Suche nach einem Ende mit Hüftschwung. In erster Linie sind sie mit ihren Kumpels da und wollen feiern, egal was. Und wenn sich ein paar Ladies zur Begleitung finden, mit denen man Spaß haben kann, ist das gut. Und wenn die auch noch gut aussehen, ist das extrem cool. Und wenn die jetzt auch noch so lustig und charmant und whatever sind, dann, alles klar, lass ballern gehen.
Oder so.
Aber der Spaß steht im Vordergrund. Das raffen Frauen nicht. Wenn ich mit Frauen weggehe, dreht es sich drei Stunden darum, welcher der Ex-Freunde den längsten hatte, warum man zur Zeit Single ist, und welcher Typ im Radius von 30 Metern der bestaussehenste ist. Etcetera. Nach 2 Bembeln Äppler wird das ganze sehr absurd, aber auch sehr amüsant. Und trotzdem: Sobald man einen Mann kennen lernt, angesprochen wird oder selber seinen Mut zusammen nimmt, geht es nur darum, dass man diesen Menschen so gutaussehend findet, dass man sich vorstellen kann, irgendwann mit ihm Kinder zu kriegen. Und wenn nicht, dann muss man sich wenigstens nicht schämen wenn man sturzbetrunken mit ihm in der Kiste landet.
Aber zurück zu dem jungen Mann, von dem ich eigentlich erzählen wollte: Er war also in einer anderen Liga. In der Kategorie 1- Sieht extrem gut aus, hat ein richtig gutes Auftreten ohne arrogant zu wirken, und ist sogar in der gesetzten Altersgrenze, aber leider sind das alles Kriterien, die mich völlig uninteressant für IHN machen.
Naja, und wenn man weiß, dass da nichts geht, braucht man sich auch nicht darum zu kümmern, richtig? Richtig. Irgendwann haben wir ein paar Pappnasen, die ungefähr alle 3 Jahre jünger waren als wir, auf dieser Party getroffen, die uns schamlos und dreist angebaggert haben. Es war ziemlich lustig, und die Jungs die größten Nervensägen die man sich vorstellen kann, aber hey, wir haben endlos viel gelacht. Auf einmal stößt der besagte Adonis zu uns, guckt mich ungefähr 10 Sekunden lang an und sagt: Ich musste jetzt lange genug zugucken, wie du dich von meinen betrunkenen Idiotenfreunden zutexten lassen musstest, können wir jetzt bitte heiraten?
Hey, ICH musste lachen, okay. Und ich möchte jetzt nicht viel darüber verlieren, dass der folgende Trip durch die Nacht extrem genial wurde und wir einfach wieder ein Gespann von fremden Nachtmenschen waren- ich möchte einfach nur sagen, dass es manchmal nichts mit Selbstvertrauen zu tun hat, wenn man glaubt, dass man nicht in der Liga eines anderen sei. Es hat viel eher was damit zu tun, dass uns Barbie und Ken vormachen, dass zwei wirklich bodenlos unanständig geile Menschen zusammengehören. Dabei kann es auch gut sein, dass nur einer von ihnen richtig geil ist, der andere aber genau das vorzuweisen hat, was diese Person gerade sucht.
Übrigens habe ich mich prächtig mit dem jungen Mann verstanden, und werde mich heute abend wieder mit ihm treffen. Nicht, um Kinder zu kriegen, sondern einfach nur um Spaß zu haben, und wieder eine wahllose Nacht in der Großstadt zu verbringen, die vielleicht zwei fremde Menschen in Sachen seltsames Aussehen näher bringt. Und ich werde definitiv nicht mehr in Kategorien denken, das hilft nicht. Einfach alles zulassen, nicht in Statistiken denken, und schon ist man in einer ganz anderen Welt,die um einiges mehr Spaß macht als das, was man vorher kannte.
Posted: July 29th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 7 Comments »
In dieser Konsumwelt, wo ein Embryo es schon im Mutterleib schafft, mit dem Magen um den größeren Anteil an Futter zu feilschen, muss man wahrscheinlich schon ein mental komplett ausgeschalteter Schwachmat sein, um bei Ebay ungefähr 30% mehr für etwas zu bezahlen als irgendwo anders. Ladies und Gentlemen, ich präsentiere: Mich.
Das fängt immer damit an, dass ich irgendeine Newsletter von irgendeinem sauteuren Onlineshop bekomme, wo irgendwas ganz besonders laut nach meinem Namen schreit (meistens ist es bunt und kann an den Füßen getragen werden). Just in diesem Augenblick fallen mir achtzig andere Sachen ein, die ich unbedingt ganz dringend jetzt brauche und mir keineswegs leisten kann, und dann fällt mir ein, oh, vielleicht hab ich ja Glück bei Ebay, so wie beim ersten Mal, das war ganz toll, auch so ein Zufall! Die anderen, unzähligen Male, bei denen ich mich in einen Rausch klickte und nicht mehr aufhören konnte mitzubieten, werden von meinem Bewusstsein (partielle Steuerung bzw. manifestierte Gehirnstörung wird sowas genannt) sauber ausgeblendet. Verdrägung, liebe Leser und Leserinnen, ist eine sehr machtvolle Funktion eines suizidgefährdeten Körpers, lasst euch das gesagt sein.
Tja. Und weil ich ja nicht mitbiete, um so billig wie möglich wegzukommen, sondern weil ich unbedingt gewinnen will (aah, es tut so weh), habe ich heute für eine Haarkur ungefähr 30 Euro ausgegeben. Und für Batmanbettwäsche (immerhin neue) knapp 40. Und es kommen noch viele andere Sachen, bei denen ich mitbiete und es absolut nicht abhaben kann, wenn irgendein Arschloch da jetzt noch 30 Cent drauf knallen muss (“DREISSIG CENT! DASS ICH NICHT LACHE! HIER, MEINE ZEHN EURO ÜBERBIETEST DU EH NICHT, BAM!”), und bald folgt der Schufa-Eintrag und dann kann es bis zur Peter Zwegat Schuldenberatung auch nicht mehr weithin sein. Ach, alles geht den Bach runter.
Immerhin hat mich das jetzt mal dazu bewegt, Überflüssiges aus dem Schrank zu räumen und selbst bei Ebay für ungefähr nen scheiss schimmelnden Apfel und ein totes Huhn oder so zu verscherbeln. Wobei ich da jetzt gar keine Wahl mehr habe, irgendwie muss ich den ganzen Schrott ja bezahlen. Ich bin echt ein wirtschaftlicher Totalschaden. Kann mal bitte jemand mit dem Finger auf mich zeigen und mich für meinen Studienwunsch auslachen?
Jetzt nur noch hoffen dass ich den Job morgen kriege. Und wie gut, dass ich keinen Dispo habe.
Posted: July 27th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Mann/Frau | 11 Comments »
Frauen haben die seltsame Eigenart, sich in Gesellschaft anderer, ihnen bekannter und gegenüber wohlgestimmten Frauen, sich auf einmal wie die typischsten Schweine-Männer zu benehmen. Das fällt auf, wenn man auf einmal in der Wohnung einer guten Freundin ist, und plötzlich fallen alle bis dato gekannten Hemmungen ab- da wird das Fleisch auf den Grill gehauen, das Bier aufgezischt, innerhalb von 10 Minuten ca. 3,5 Kilo Fleisch (pro Person) vernichtet und im Anschluss gerülpst und Lose gezogen, wer als nächstes Kacken gehen darf.
Ich mach keinen Spaß. Das ist übel. Das ist der reinste Horror für jeden Menschen, der so wohlerzogen ist, dass er bei seinem eigenen Bäuerchen fast selber kotzen muss. Aber Frauen sind teilweise wirklich die klischeehafteren Männer, und meine Freundinnen kennen da echt kein Pardon. Vor Typen, mal so im Kontrast, sind sie die tussigsten Tussis diem an sich vorstellen kann- aber insgeheim schnurrt ein kleiner Dämon in jeder von ihnen, darauf wartend, wieder einen dreckigen Witz oder einen massenvernichtenden Furz zu lassen. Hin und wieder beschweren sie sich auch darüber, dass sie schwitzen wie die Tiere, dass man mit Männern nicht über Blasenentzündungen reden kann oder über die letzte Verstopfungsphase und mit welchen von Mamas Hausmitteln man dagegen ankam.
Ich dreh ab. In all meiner Zeit als nicht mädchenhaftes Mädchen, habe ich mit keinem Typen jemals solche Gespräche geführt oder zugehört (und glaubt mir, ich war schon ganz tief drin in den Männerkreisen). Gut, da redet man über Ärsche und Titten, aber daran ist ja nichts abartiges. Höchstens frauenfeindlich, aber das steht kaum zur Debatte. Klar, ich habe schon oft über Pornos und diverse Sexualpraktiken mit Männern gelacht und diskutiert, die vielleicht pervers und abartig waren, aber niemals über die eigene Verdauung oder gar zu einem Rülps-Contest aufgefordert, bei dem der Sieger den ersten Klogang gewann und keine Streichhölzer mitnehmen durfte damit der andere erstickte.
ICH MACH KEINEN SPASS! Viele Frauen werden sich jetzt denken: Oh mein Gott, erzähl das nicht, dass dürfen die Männer nie, NIEMALS erfahren! Aber ich bin ja selbst fast am verzweifeln! Bis zu einem bestimmten Grad ist es ja noch ganz lustig, sich wie ein 12-jähriger, pubertierender, halbstarker Bauer zu benehmen, aber spätestens wenn man fast an den Ausdünstungen anderer erstickt ist es vorbei, wirklich. Und da hilft auch nicht wenn im Hintergrund, ganz unschuldig und girlie-girl, Madonna mit “Holiday” läuft und man sich dabei die Fingernägel lackiert. Echt nicht.
Sehr bezeichnend ist es daher, dass ich zur Zeit nur noch Freundinnen um mich herum habe, die genau auf so etwas.. “abfahren” wäre jetzt eventuell etwas hochgegriffen, aber alter, die machen wirklich jedem Schwein Konkurrenz. Wie gesagt, es ist amüsant und es ist auch schön sich für nichts (aber auch wirklich nichts) schämen zu müssen, nur dass ich mir fest vorgenommen habe, so schnell nicht mehr mit denen zu grillen, wenn mir noch was an meinem Appetit liegt.
Übrigens kann man Frauen am ehesten kategorisieren, wenn man sie sich als Mann vorstellt. Meine Chefin zum Beispiel wäre ein übler, kurzgeratener Prolet mit platinblonden Haaren und tiefergelegtem VW-Golf mit Tribal-Sticker an der Heckscheibe und würde sich ständig an den Sack langen und dran ziehen. Meine beste Freundin hätte den winzigsten Penis aller Zeiten, deshalb total den Komplex und müsste sich ständig besaufen und mit anderen Prügeln. Ich persönlich wäre ein Nerd, mit Brille und einem Fetisch für Hentai, und außerdem wäre ich wie Dawson von Dawson’s Creek. Ihr wisst schon. Spasti, ein bisschen homo und leicht neurotisch, aber dafür immer für eine langweilige Episode voller Teenie-Problematik zu haben.
Posted: June 16th, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Sperrmüll | 8 Comments »
Das war folgendermaßen: Ich verbrachte den ganzen Tag damit, mir die überflüssigen Hautschuppen von meinem Luxuskörper zu schrubben. Ich habe mehr als 200 Euro für Hübsch-Mach-Utensilien wie Kleid, Schminke, Friseur ausgegeben. Ich habe mir, ungelogen, meine Füße in den unbequemsten Schuhen der Welt kaputt gemacht, und sah dabei auch noch aus wie ein Trottel. Ein wiederholtes In-Die-Fresse schlagen hat leider nichts gebracht, sie dachten trotzdem, ich könne auf hohen Schuhen nicht laufen (was nur teilweise korrekt ist, da ich vielleicht ab 6 cm durchaus Probleme kriege, alles, was davor ist jedoch für Gewöhnlich recht gut zu bedienen ist). Dann war ich da, frierend, ein bisschen auch beleidigt, weil gestresst. Der Achselkaffee rann mir den Körper runter, meine Schminke klebte mir am Hinterkopf, meine Haare waren nach 8 Stunden leider nicht mehr topfit.
Und wisst ihr was? Ich hätte denen alle mit dem Arsch ins Gesicht springen können, weil es mir egal war! Es war mir egal. Und für wenige Tage dachte ich, man könnte sich in eine Art von Wehmut, oder Freude, reinsteigern, aber mir fällt auf: Es geht nicht. Ich bin nicht für eine Sekunde traurig darüber, dass die Schule vorbei ist. Ich bin auch nicht traurig, dass ich die Vollpfosten nie wieder sehen werde, im Gegenteil, ich hoffe ja fast, dass das das letzte Mal war. Und da standen die Trullas nun, eine nach der anderen takelten sie sich auf für die Beweisfotos, das einzige, was von so einem gesellschaftlichen Zwang eigentlich noch übrig bleibt. Die Eltern mit Pipi in den Augen, weil Klein-Lisa und Klein-Uwe es endlich geschafft haben, und wahrlich auch den Einstieg in die Wirtschaftswelt finden werden!
Ach, leckt mich doch alle. Dieser Abiball war nicht mal Ansatzweise gut, wobei ich mir einen besseren auch schwer vorstellen kann. Ich habe keine sentimentalen Verbindungen zur Schule, die Zeit war scheisse. Und um ehrlich zu sein hätte ich mich am liebsten an den Lehrertisch gesetzt, um mit denen ein letztes Mal einen zu heben. Denn bis auf Ausnahmen waren die Lehrer das einzige, was an der Schule noch irgendwie Spaß gemacht hat. Unser Streberjahrgang war eine Katastrophe, und mir ist es mittlerweile peinlich, zuzugeben, einen Einserschnitt zu haben- bei uns heisst das nur, okay, ich war ein Arschkriecher, und ich liebe es, in der Mittagspause die Bibelgruppe zu betreten und für meine Biopräsentation zu beten.
Nach dem kläglichen Dessert ging es auch schon nach Hause. Schön ins Bett gepfiffen, halb 11, und es war keine Minute zu früh. Mir taten sie leid, die Pappnasen, die da noch rumhocken mussten, diejenigen, die sich noch die Tränen von den Augen wischen mussten, weil sie so viele tolle Freundschaften liegen lassen werden, und die beste Zeit ihres Lebens, und, und… ich sag euch was: Ich kann’s nachvollziehen. Wirklich. Aber ich empfinde es nicht so, es war Geldverschwendung, da überhaupt hinzugehen, und obwohl ich ausnahmsweise mal wie eine richtige Frau aussah (sagten sie zumindest, die Idioten), brauche ich mich nicht für etwas zu verkleiden, was mir nicht einmal mehr Spaß macht.
Leute, nächsten Fasching hol ich wieder das Kleid raus, versprochen, und dann können wir zusammen abgehen, und zwar so, wie es sein soll. Ersoffen mit anschließendem Koma! Das Leben darf jetzt anfangen.
Fang mal bitte an.
Jetzt.
Jetzt, bitte…