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Kapitel I: “Okay” ist auch gut.

1/12/2008

“Oh mein Gott, endlich zu Hause..”

— 12 Stunden früher —

Der Wecker klingelt. Laut dröhnt diese monotone Sirene in den Kopf unserer Protagonistin. Ächzend und stöhnend wälzt sie sich noch ein paar Mal im Bett, bevor sie völlig übermüdet und noch halb in ihrem Traum endlich den Wecker ausschaltet, sich zurückwirft und weitere fünf Minuten mit sich selbst kämpft, bevor sie tatsächlich aufsteht.

“So eine verfluchte…”

Halb sieben. Eine unchristliche Zeit für eine Zwanzigjährige. Schnaufend schleift sie sich ins Bad, wo sie ihren eigenen Anblick kaum ertragen kann. Es ist kalt. Keine Lust auf Duschen, auch wenn’s bitter nötig wäre.

Die Küche wird aufgesucht, wo der Freund ihres Mitbewohners schon Kaffee gekocht hat und ihr frühzeitiges Leid des Aufstehens teilt. “Wie schaffst du das nur jeden Tag?!”, fragt sie halb-murmelnd, halb erstaunt, als sie feststellt, dass er munter und fröhlich ist und keinerlei Anzeichen der Müdigkeit ausstrahlt. “Keine Ahnung”, antwortet er. “Wenn man das sechs oder acht Jahre lang so machen muss, bleibt einem ja auch nichts anderes mehr übrig, als sich daran zu gewöhnen.”

Mit dem Kaffee in der Hand und einer Schrippe im Mund geht sie in ihr Zimmer. Viel zu spät. Schnell was angezogen, Wetterbericht gecheckt, Musik ins Ohr und ab geht die Post. “Warum tu ich mir das nur an?”, fragt sie sich beim Rausgehen.

Aber als sie draußen steht, ist alles vergessen.

Sie atmet den Duft der Straße. Die Autos brausen an ihr vorbei. Die Menschen hetzen zu ihren Jobs. Es ist keine blaue Wolke am Himmel, es sieht stark nach Regen aus, es ist kalt, aber sie steht da, an der U-Bahn, und glaubt ihren eigenen Gefühlen nicht. Sie nimmt einen tiefen Zug von der Zigarette, lässt sich im Lärm ertränken, lässt sich anrempeln, riecht den Duft der nassen Luft, und stellt fest, dass es nicht Sommer und Strand sein muss, damit es gut ist.

Sie weiß wieder, warum sie welche Entscheidungen getroffen hat. Und lächelt. Steckt die Kopfhörer wieder ein und lässt sich treiben- in der U-Bahn, mit den Menschen. Und kommt eine Stunde zu früh an ihrem Reiseziel an.

“Herzlich Willkommen zum diesjährigen schriftlichen Eignungstest des Auswärtigen Amts.”

Sie blickt sich im Raum um. “Diese Fatzken sehen aus wie aus der Privatschule ausgeschissen”, denkt sie sich, und muss innerlich über sich selbst lachen. “Genau das richtige für mich..”

– 5 Stunden später –

Pfeifend verlässt sie den Raum. “Was habe ich mir nur dabei gedacht? Meine Leben verlassen für eine vorgegebene Streberlaufbahn, wie  diese Schafe, in Krawatte und Anzug und wissen, wie man Canapés zubereitet? Die perfekte Hausdame, die perfekte Konsulin oder, entschuldigung, Verwaltungsassistentin spielen? Scheisse, ich wünsch euch allen viel Glück, aber ich bin raus und lebe lieber unter ‘ner Brücke” Sie wusste ganz genau, dass sie das nur dachte, weil der Test besser lief als erwartet, und wollte sich vor der Enttäuschung bewahren, wenn es doch eine Absage war.

Entspannt und endlich frei von mathematischen, logischen und sonstigen Denkaufgaben setzt sie sich in die U-Bahn. Sie genießt die Fahrt, weiß, dass sie bald endlich zu Hause ist  - noch ein kleiner Spaziergang im Nieselregen, um die wichtigsten Einkäufe zu erledigen, damit der Monat finanziell endgültig zu Ende ist - und dann ab nach Hause.

Dachte sie. Tatsächlich stand sie auf, und ein fremdes Handy fiel ihr in den Schoß. Sie blickte sich fragend um, aber der Besitzer war nicht zu finden.

Zehn Minuten. Zehn Minuten kämpfte sie mit sich selbst. “Geb ich es zurück? Oh Gott, es hat eine 5-Megapixel-Kamera, OH GOTT, es ist mindestens 300 Euro wert, WARUM ICH?!” Ein Anruf ging ein. “Heb ich ab? Oh Gott, HEB ICH AB, GOTT, GIB MIR EIN ZEICHEN!!”

Gott gab ihr ein Zeichen. Sie rutschte mit dem vom Regen nassen Finger aus und drückte auf “Abnehmen”. Schicksal. Sie ging ran, versprach, vorbeizukommen und das Handy abzugeben, drehte auf dem Absatz um und stieg wieder in die U-Bahn.

Die darauffolgenden Ereignisse wären einerseits zu belanglos, andererseits zu kompliziert, um zu erklären. Aber als sie vier Stockwerke im dunklen Treppenhaus hochkraxelte,  und sogar an ihrer eigenen Tür vorbeilief, weil es viel zu dunkel war um etwas zu erkennen, betete sie nur, dass jetzt irgendjemand zu Hause war, um ihr Gesellschaft zu leisten und für ihren Tag zu loben.

Niemand war da, und sie lachte wieder einmal über sich selbst. Über das Leben, über diverse Situationen und darüber, dass ihr scheiss Brokkoli-Auflauf schon wieder nichts geworden ist.

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Ross & Rachel

29/11/2008

Viele Leute vergleichen sich liebend gerne mit J.D., Hauptdarsteller und mit Sicherheit lustigster Charakter der erfolgreichen US-Serie “Scrubs”. Aber nachdem ich fast alle Episoden der Reihenfolge nach in weniger als 2 Wochen mit meinem Mitbewohner durchgeguckt habe - mal mehr, mal weniger müde -, bin ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich der Inbegriff einer Elliot bin.

Unsicherheit ist das Stichwort. Im Prinzip plagt mich aber noch mehr als das: Unsicherheit kombiniert mit diesem Drang nach Liebe. Am liebsten würde ich auf der Stelle heiraten (also, nicht wirklich. Nur im übertragenden Sinne), aber nicht, weil ich jemanden so sehr liebe, dass ich mir sicher bin, dass es das richtige ist- sondern nur, um nicht alleine zu sein. Um verheiratet zu sein. Weniger aus gesellschaftlichen Gründen, ich hasse Hochzeiten und Menschen, die sich zu Idioten in Weiß machen, - viel mehr wegen dem, was es verkörpert. Zweisamkeit. Gefühlsfurz, blah blah blah.

Andererseits lass ich mir alle tollen Typen entgehen, weil ich emotional verkrüppelt bin und eine völlig falsche Illusion von dem habe, wie dieser Mann eigentlich sein soll. Es ist schon schlimm genug, dass ich das so lange einfach ignoriert habe, bedrückend ist aber erst die Tatsache, dass ich nicht weiß, wie ich das loswerde. Mir einzureden, “da steht der perfekte Typ vor dir, NIMM IHN!!” bringt trotz aller logischen Gedankenzüge rein gar nichts. Es fehlt was. Das Bizzeln im Bauch, die Chemie, und die Zeit. Ich fühle mich wie ein kleines Kind.

Ich wünschte, ich könnte mich genau so wieder verlieben, wie damals, bei meinem ersten Freund. Alles war so verdammt perfekt, und es war Glasklar: Mit dem wird’s was (es wurde natürlich 5 Monate später doch nichts. Aber das war am Anfang ja egal). Und alles, was es jetzt gibt, sind relativ interessante Menschen, die nichts in mir auslösen, außer.. naja, Interesse. Darauf einzugehen wäre genauso wie 60 km zu fahren um ein Wasser bei McDonalds zu trinken, einfach nicht okay. Es ist unglaublich, aber ich habe keinen Bock auf Sex, weil die sich anbietenden Personen mich nicht anmachen sondern maximal für eine halbe Stunde unterhalten könnten; ich will keine Nähe oder Zärtlichkeit weil ich Schweißausbrüche kriege bei dem Gedanken dass es “weiter gehen” könnte, und trotzdem wünsche ich mir jede Nacht, dass da jemand neben mir liegt. Und ist es dann so weit, steh ich auf und penn auf dem Boden, weil ich fast kotzen muss vor Angst, dass alles schief geht.

Und ich weiß nicht, ob’s an mir liegt oder ob es weiterhin heisst: abwarten.

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Ewige Freundschaft

26/11/2008

Es gibt diverse Momente in einer Beziehung, für mich jedenfalls, in denen man merkt, dass man sich verliebt hat. Solche wirklich komischen Momente, wo man meint, dass man alles durchblickt, und urplötzlich vor sich sieht, was Tatsache ist.

Ich meine, das is wie ein Wunder, an das man nicht geglaubt hat, niemals! Es war so unvorstellbar, unrealistisch, dass solche Gefühle je, JEMALS wieder in mir aufkeimen. Hoffnung tot, meine Friese im Arsch, mein Leben macht zwar Spaß aber ich verdränge gleichzeitig, dass es ziemlich den Bach runtergeht, und dann passiert das, worauf ich gar nicht mehr eingestellt war: Ich habe meine neue beste Freundin getroffen.

Zugegeben, sie weiß noch nichts davon. Aber das werde ich im Laufe der nächsten zwei Monate auch schaffen. Ich MUSS es schaffen, endlich kehrt wieder Leben in meine Gefühlswelt ein!

Das hört sich jetzt alles krass kontrovers an- so ganz in Relation zu meinen vorherigen Beiträgen, von wegen mir geht’s ja so gut und larifari.  Das tut’s auch. Nur ist mir klar geworden, was mir wirklich fehlt, als letzte Woche Dauerparty in unserer Bude war und die Uschis mich aus der Heimat besuchen kamen: mir fehlen die Weiber. Die lustigen, besoffenen Weiber, mit denen man kreischend unterm Tisch liegt weil man es nicht mehr aushält vor lachen. Ich meine, hey, Jungs sind toll- Fußball und Bier und nackte geile Tusen die ganze Nacht, wenn’s nach mir geht, aber ab und zu, zwei Mal im Jahr oder so… oder öfter.. wären Uschis auch toll. Derbe Uschis, mit denen man nicht zimperlich sein muss.

Hier in Berlin habe ich bisher ganz nette, einfach Freunde gefunden. Die Weibchen sind halt so, wie sie sind- lustig, knarzig, zickig, blond, fett, wie auch immer man es nennen will. Aber sie sind nicht so wie ich, nicht so, wie ich es kenne und nicht so, wie ich es will.

Bis die Engel von ihren Thrönen im Himmel stiegen und mit Fanfaren und Trompeten und Spotlight auf die einzigartige Erscheinung deuteten, die sich vor mir auftat: SIE. Wir nennen sie, der Anonymität wegen, einfach mal “Dörte”, weil Dörte ein schrecklicher Name ist, und wäre sie hier, würde sie auch darüber lachen, da bin ich mir sicher..

.. jedenfalls wurde Dörte sofort in den Club der notorisch behinderten Weiber aufgenommen, als sie sturzbetrunken auf einer Party die Schlagsahnedose auspackte und lossprühte. Das. War. Toll. Da wollte ich mein Glück jedoch nicht herausfordern, und schiebte diesen göttlichen Zufall und diesen einen, kleinen Funken heimatlichen Spaß auf den bösen und nierenzerfetzenden Alkohol.

Doch später bewies sie sich als treue Stute: Keiner gröhlte lauter als sie, als wir eine (bombige!) Stripperin im Haus hatten (wobei, ich gröhlte zeitweise vielleicht lauter, aber das spricht nur für meinen Wettbewerbstrieb)- und so gröhlte und johlte sie eigentlich nur mir ins Gesicht, ein wohliges, warmes Gefühl machte sich in meinem Bauch breit, Schmetterlinge schlüpften aus ihrem Kokon, oh, es war ein magisches Theaterspiel. Nichtsdestotrotz gab es nur eine einzige Begegnung, die mich wirklich überzeugte. Ich fand mich aus debilen Gründen (sie hatte mir mein Bier geklaut und war nicht willens, es mir zurückzugeben) im Schwitzkasten wieder, nach Schlägen und Tritten und einem vampirähnlichen Nackenbiss.

Da wusste ich: Ich bin verloren. Ich muss sie haben. Jetzt. Sofort. Ich will nie wieder eine andere Freundin haben. Nur sie.

Und jetzt muss ich nur noch rausfinden, wie ich sie auf die dunkle Seite der Macht ziehe. Nämlich zu mir. Für immer.

Muhahahahaha.

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Sky & Sand

24/11/2008

Eigentlich hätte ich viel zu erzählen- von Partys, Drama, Bekanntschaften, Lacher, Uni, Einkäufen, kleinen Geschehnissen an der Ecke, Prügeleien im Netto,- ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollte.

Und deshalb erzähle ich davon nichts.

Es ist auch egal, denn es handelt sich dabei um mein Leben. Es ist endlich so, wie ich es mir schon immer vorgestellt habe. Natürlich ist nie alles cool und locker-flockig, aber es könnte schlimmer sein. Und ich bin jung, das merke ich jetzt. Mir wird bewusst, dass ich mich mein ganzes Leben lang alt gefühlt habe, viel zu weit fortgeschritten. Hier darf ich zwanzig Jahre alt sein, Atzenmusik hören und in der S-Bahn rumpöbeln, wenn ich besoffen bin. Ohne Angst zu haben.

Ich kann tagelang auf der Couch rumgammeln und nichts tun, wenn ich das will. Ich kann aber auch Verantwortung übernehmen und putzen, weil es sonst keiner für mich macht. Ich kann sagen: Ich bleibe zu Hause! Und zwar weil ich nicht gezwungen bin, jede Gelegenheit der Feierei zu nutzen, weil es die letzte sein könnte.

Noch wichtiger ist aber, dass ich erkenne, was ich nicht sein will. Stur oder trocken, zum Beispiel. Langweilig. Ich will meinen Alltag nicht planen, wenn ich nicht muss. Ich will keine Einkaufszettel schreiben, ich will keine sterile Wohnung und ich will keine perfekten Freunde. Ich will auch keinen Stress- aber es muss genug Chaos da sein, um mich wohlzufühlen.

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Querschnittsgelähmt

8/11/2008

Meine Matratze wird mich umbringen.

Ich habe mir endlich eine Matratze für mein Hochbett gekauft. Eine, die nicht seit 20 Jahren von irgendwelchen saufenden, rauchenden und rumhurenden Studenten durchgelegen ist. Eine, die das Geld lohnt- nicht irgendein Schaumstoffmatratzending ohne Durchhaltevermögen.

Eine, die nach eigener Einschätzung meinerseits ungefähr sechs Mal höher ist als die, die vorher da lag.

Und obwohl mich dieses Ding viel Kraft gekostet hat (es war ja klar, dass JEDE zur Auswahl gestandene Matratze bei Ikea im SB-Bereich ZUSAMMENGEROLLT zur Verfügung gestanden hätte, nur dieses Monster von 140 Breite und 200 Länge stand da wie Gott sie schuf und wartete darauf, in einen Ford Escort geknetet zu werden), und ich auf den Treppenstufen bis in den 4. Stock fast einen Herzkreislaufkollaps erleidet hätte, musste ich fast kapitulieren, als ich es endlich, endlich auf mein 2 Meter hohes Bett hochgewuchtet habe.

Sie überragt mein Geländer.

Bitte lasst euch das jetzt mal durch den Kopf gehen.

SIE ÜBERRAGT MEIN FUCKING GELÄNDER.

Nicht, dass mein Geländer jemals tauglich gewesen wäre, das nicht, nein. Dieser do-it-yourself-Ast von einer kranken Basilikumpflanze diente eher symbolisch als Grenze, aber es war zumindest eine. So. Und jetzt muss ich mich ab sofort entweder jede Nacht an die Wand tapen, oder ich muss befürchten, irgendwann runterzukrachen. Zwei Meter tief, harte Dielen, ihr wisst bescheid.

Höchstwahrscheinlich dann Genick- und Schädelbasisbruch, da mein Schreibtisch im perfekten Winkel unter dem Bett steht. Immerhin würde es schnell gehen. Bei dieser Überlegung fällt mir ein, dass ich ja auch endlich wieder gut schlafen kann und nicht jeden morgen vor Schmerzen und völlig gerädert aufwachen werde, wenn ich überhaupt je wieder aufwache, das heisst aber auch, dass ich gar nicht realisieren werde, dass ich runterfliege, weil ich so einen komatösen Schlafzustand einnehmen werde, was ja auch ganz praktisch sein kann. So ein schneller Tod, ne.

Und denkt nur an die Promillezahlen.

Auf jeden Fall werde ich in meiner Lebzeit, sollte sie mir noch länger als einige Monate vergönnt sein, sehr viel Sex und Zärtlichkeit erfahren, denn jeder, der sich mit mir das Bett teilt, wird sich schön an mich kuscheln. Ich lieg nämlich an der Wand.

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Naturgesetz

2/11/2008

Ich bin wie ein kleines Kind. Man muss mich einfach vor langen Fahrten zwingen, auf’s Klo zu gehen.

Bei genauerem Überlegen müsste man mich eigentlich vor allen Dingen des Lebens vorher zwingen, auf’s Klo zu gehen. So zum Beispiel jeden Abend, bevor ich mühevoll und betrunken auf mein Hochbett kletter, nur um 4 Minuten später völlig besiegt und entmächtigt wieder runterzukriechen um meine Blase zu erleichtern. Oder vor 5-stündigen Vorlesungen, wo ich eingekeilt zwischen 60 Komillitionen sitze und ein Aufstehen für eine halbstündige Unterbrechung sorgen würde.

Die meiste Zeit verbringe ich deshalb bettelnd und flehend, dass bald die Höllenzeit des Drucks rum ist und ich endlich die Erleichterung spüren darf (immerhin gibt es für mich täglich etwas, auf dass ich mich freuen darf, auch eine Art, sich selbst zu belohnen). Wir sind dieses Wochenende zu Freunden nach Hamburg gefahren, und original 4 Minuten nachdem ich ins Auto gestiegen bin (und wir waren sowieso schon tausend Jahre zu spät), verspüre ich nicht etwa einen ganz leichten Fieps, sondern den krassesten Drang seit Entstehung der Menschheit. Das liegt vor allem auch daran, dass ich Experte darin bin, einfach nicht die Toilette aufzusuchen, wenn ich nicht ganz dringend muss. Ich habe keine Ahnung, wieso. Und jedes verdammte Mal, wenn ich denke, “die paar Stunden hälst du das noch locker aus”, liege ich falsch und zittere vor Anspannung.

Das war auf der Rückfahrt eben auch nicht anders. Ich hab über den Tag verteilt mit Sicherheit sechs Liter Wasser, Glühwein, Kaffee, Tee und Bier abgepumpt, und die ganze Zeit (aus Faulheit) keinen Bedarf an Toilettengang gehabt. IN DEM AUGENBLICK WO WIR LOSFAHREN UND ICH ENTSPANNT DIE AUTOFAHRT GENIESSEN WILL, FÄNGT DIE PISSE AN NACH FREIHEIT ZU SCHREIEN. Ein verdammtes Naturgesetz. Und weil es mir so peinlich ist, die Fahrer ständig zu fragen, ob sie bitte mal anhalten könnten, muss ich dann auch jeden einzelnen Umweg mit Tränen in Kauf nehmen und hoffen, es doch rechtzeitig zu schaffen und mich nicht zu demütigen.

Bisher hat das wunderbar funktioniert, und ihr wisst gar nicht, wie gut es mir gerade geht.

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WeltRaumZeitFremd

29/10/2008

Man merkt tatsächlich erst wie klein man ist, wenn man den Bezug zu dem Großen aufgebaut hat. Riesen Hörsääle für 600 Leute, und da sitzt man zwischen vielen anderen anonymen Gesichtern. S-Bahn, U-Bahn- einer steigt ein, einer steigt aus, und alle tragen dieselbe situationsbedingte Maske, die unverkennbar: NICHTS! schreit.

Da merkt man, wie sehr man sich verschätzt hat in seiner eigenen Selbstkentniss- dass man doch nicht so offen und flexibel und zugänglich ist, wie man immer dachte, weil man sich erschreckt, wenn man auf offener Straße angesprochen wird. Weil man an einer so großen Institution wie der Universität nur drei Leute kennt, und langsam keine Ausreden mehr einfallen, wie man mehr ansprechen könnte.

So läuft das. Auf einmal ist das Ego ganz klein und man fährt alleine nach Hause und scheut sich, lachend und tanzend herumzuspringen, so wie man es normalerweise cool finden würde, weil man keinen Namen hat, der das rechtfertigen könnte. Man muss jetzt langsam selbst anfangen, sein Haus zu bauen, ein großes Reklameschild dranhängen, und nicht nur mit dem Geburtsstempel der Heimatstadt gesegnet sein.

Das ist Bürde, aber mehr als das ist es Freiheit- denn man wächst. Man wächst mit jedem Wort, dass man an Fremde richtet, und man lernt sich selbst kennen. Fängt an, Menschen zu dutzen, weil man das hier eben so tut, auch wenn die Etikette einem anderes sagt. Man macht sich locker, auch wenn man für “Zu Hause”-Verhältnisse eben verdammt locker war, und noch lockerer ist nur ein Haufen Schnee auf einer Erdnuss.

Die Nachbarn kennen lernen- spätestens, wenn sie das Paket nach einer Woche immer noch nicht abgegeben haben. Den Chinamann untem am Haus testen, auch wenn er extrem unfreundlich sein soll. Den Typen am Kiosk grüßen, wo man jeden Tag seine Kippen kauft. Schritt für Schritt, langsam, aber irgendwann kommt man da hin. Und dann gehört die Welt mir.

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L’Esprit D’Escalier

27/10/2008

Ich habe in meinen ewigen zwanzig Jahren nicht viel gelernt. Eigentlich gar nichts, außer dass man manchmal Klatschen verteilen muss, wenn man glücklich sein will. Und am Wochenende habe ich gelernt, dass es in Beziehungen immer einen kleinen, einzigartigen klärenden Moment gibt, den man ausnutzen sollte, selbst wenn es komisch ist. Selbst wen es der letzte Moment ist, den man hat.

Problematisch ist daran rein gar nichts außer die Angst, sich festzulegen. Was so armselig und feige klingt ist nichts anderes als Unsicherheit, fehlende Reflektion und Gedankenlosigkeit. Sich festlegen ist doch eigentlich genau das, worauf man sein ganzes verdammtes Leben wartet! Und endlich, wenn man die Entscheidung im Kopf getroffen hat, kommt etwas anderes im Bauch durch, das einem irgendwie vermitteln möchte: HALT. Es könnte ein Fehler sein.

Und so erklingt dieses Echo stundenlang durch den Kopf, bis die Tür wieder zu ist, der Puls runtergehen darf und das Adrenalin nicht mehr durch den Körper pumpt. Und hiermit bestätige ich mir selber, was ich die ganze Zeit ahnte: ES geht nicht. Beziehungen gehen nicht, nicht jetzt, nicht in näherer Zukunft. Denn egal wie ach-so-unabhängig und reif man zu meinen scheint, ich jedenfalls- da ist noch was anderes, was erst abgeschlossen werden muss. Etwas, dass nie ein Ende fand, nicht mehr existiert und sich doch noch in meinem Inneren fortpflanzt.

Es geht niemals darum, dass man sich anders entschieden hat. Es geht darum zu wissen dass man diesen Schritt, diese Entscheidung, dieses FESTLEGEN jetzt noch nicht bewältigen wird, nicht so, wie man es gerne hätte. Natürlich gehe ich das Risiko ein, dass es irgendwann zu spät sein könnte. Aber das zählt nicht. Es zählt nur die Zeit, die man sich nehmen muss, um den ganzen Sperrmüll aus dem Herzen entladen zu können um sich neu einrichten zu können. Ich will es nicht tun, um den Schmutz und den Schimmel zu überdecken und damit dem Nachrücker das Leben schwer zu machen. Ich will erstmal frei sein.

All das hätte man in diesem einen klärenden Moment noch erwähnen können, aber stattdessen steht man mit der Stirn an der kalten Wand und versucht nicht auf die schweren Schritte im Treppenhaus zu hören, versucht, nicht darüber nachzudenken was der andere gerade im Kopf hat, versucht alles, wie es ist, völlig in Ordnung zu finden. Versucht, das Gefühl der vielen Momente davor einfach einzusperren und niemals wieder rauszulassen.

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Wirtschaft

23/10/2008

 Anmerkung: Bei erneutem Durchlesen fiel mir auf wie viele Rechtschreibfehler in diesem Text sind (also mehr als gewöhnlich, vor allem Groß und Kleinschreibung). Ich hab keinen Bock es zu editieren. Vielen Dank für euer Verständnis.

Vor noch ein paar Jahren hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können, dass ich mich dazu entschließen würde, etwas wirtschaftswissenschaftliches zu Studieren. Und, geben wir es zu, genau das hätte ich sowieso getan, selbst wenn Potsdam andere zulassungsunbeschränkte Fächer angeboten hätte. Damals habe ich gedacht, ich würde schreiben, oder in irgendeiner anderen Form etwas freies, kreatives ausüben. Scheisse, es gab eine Phase, da wollte ich Tauchlehrerin auf einer Insel werden! Und jetzt sitze ich vor einem Dozent, der mir etwas über ein Buch erzählt, dass er Verkaufen will, und in vier Stunden Vorlesung dabei mindesten dreihundertmillionen Paragraphen aus dem BGB auflistet, die diesen Vorgang einschränken, ausweiten, niedertreten und völlig in Luft auflösen.

So ist das. Und wenn ich mich im Hörsaal umschaue, der auch nur so voll ist, weil mindestens 400 andere Idioten auch keine andere Universität außer Potsdam als Lösung ihrer studentischen Probleme sahen und sich nun mehr oder weniger glücklich für VWL (und Russistik) eingeschrieben haben, dann glaube ich kaum, dass viele von denen schon immer den Wunsch hatten, in Richtung Wirtschaft zu gehen.

Ich meine, als Kind oder Teenager hat man die Vorstellung von einem praktikablen Beruf. Arzt, Feuerwehrmann, Rockstar. Das sind die Dinge, die man greifen, sehen kann, die einen Ruf haben, gut oder schlecht. Wer in die Wirtschaft geht - als Berater, Unternehmer, Fachidiot vom Dienst - der hat entweder keine Vorstellung von dem gehabt, was er wollte, keine anderen Möglichkeiten gesehen, weil seine Leistungen zu schlecht waren, oder …

Oder man will eigentlich in einen ganz anderen Bereich, sieht die Wirtschaftswissenschaften allerdings als beste Einstiegsmöglichkeit dafür.

Und an dieser Stelle lachen mich 400 Idioten aus, weil wir alle zusammen wissen, wie verdammt utopisch diese Vorstellung eigentlich ist. Unsere Dozenten nehmen sich auch nicht genug dabei zurück, uns genau das unter die Nase zu halten. Wer VWL studiert, hat verloren. Oder man ist ein sehr idealistischer Weltenveränderer, der erst die Macht ergreifen und dann die Revolution kontrollieren will. Aber da sehe ich mich überhaupt nicht.

Ich sehe mich auch nicht als stinkreiche, herzlose Managementschlampe, Bankentussi oder.. sonstirgendwas.

Ich wollte sozusagen der Feuerwehrmann sein, und sitze genau da, wo ich mir als 10-jährige die alten, langweiligen Spießer vorgestellt habe. Wollt ihr was wissen? Sie sind auch tatsächlich so. Die Professoren, die Tutoren (oh Gott, ich weiß nicht, ob es an Potsdam, Brandenburg, VWL, Wirtschaft, Studium, Uni, oder dem Alter liegt, aber das Klischee NERD ist von meinen Tutoren in einem Umfang unterstützt worden, dass es fast schon beängstigend ist), die Komillitionen, die Fetzen an der Pinnwand und das Essen in der Mensa- langweilig, fade, spießig, hässlich und völlig abseits vom Leben.

So abseits, dass ich heute tatsächlich auf das Pornofestival verzichtet habe, weil ich morgen früh aufstehen muss- Makroökonomik.

Das alles hört sich an wie klägliches Rumgeheule, den Eindruck wollte ich gar nicht vermitteln. Ich interessiere mich - auf ehrliche Weise- wirklich für die Wirtschaft. Wirtschaft ist so human gesteuert, und als Sozialwissenschaft so völlig nichtig. Für mich nicht. Für mich äußert sich im Kapitalismus mehr als in der Psychologie, die Systeme, die Theorien- all das macht für mir Spaß. Nur die Verpackung und der Werdegang- und meine wirtschaftliche Zukunft, wo wir schon dabei sind- sind die Sachen, die mir den Kopf zerbrechen. Und schließlich muss man ja auch mit dem klarkommen, was man sich ausgesucht hat, wenn man jahrzehnte lang ein beschissenes Bild davon hatte UND ES DANN AUCH NOCH BESTÄTIGT BEKOMMT (ist in etwa so wie mit vierzig festzustellen, dass man homosexuell ist, obwohl man es immer ekelhaft fand).

Aber so ist es jetzt, und vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht wie es immer aussieht.

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Easy Going

21/10/2008

Ich habe nie gewusst, wie schön es sein kann, einfach nur auf der Couch zu liegen und vor dem Fernseher abzugammeln. Jetzt werden böse Stimmen behaupten, ich hätte mein Leben lang sowieso nichts anderes gemacht, was vielleicht ganz rational gesehen auch stimmt, aber es geht um das FEELING, seht ihr, das FEELING.

Es geht darum, dass ich nicht auf der Couch gammeln müsste. Ich könnte jederzeit rausgehen und das ausgiebige Nachtleben genießen. Ich könnte auch einfach lernen oder aufräumen oder Geld ausgeben oder mich mit Freunden treffen oder Kunst machen, meinen Körper mit Schokolade beschmieren und die Ameisen zählen, die auf mir rumturnen- aber NEIN. Es muss gar nicht sein, jedenfalls nicht jeden Tag, denn gammeln mit den Mitbewohnern ist schon so entspannend genug, es ist einfach eine einzige Genugtuung.

Der Unterschied zu früher ist der Ort und die Freiheit, die ich dabei habe. Bei meinen Eltern musste ich gezwungenermaßen gammeln- gab ja nichts anderes zu tun. Der Job in der Videothek hat das natürlich mit kostenloser DVD-Berieselung unterstützt, Geldmangel war ein essentielles Problem in jeglicher Planung- ganz zu schweigen von der Entfernung von mir zu Hause bis zum nächsten Ort der Freizeitbeschäftigungen. Was konnte man anderes machen außer zum Launenkiffer und Ständigsäufer zu werden? Genau, nichts. Und unter der Furchtel der Erziehungsdrachen macht’s um so weniger Spaß.

Jetzt ist kochen, gammeln und hin und wieder mal abspasten angesagt, und ich glaube, ich habe tatsächlich die richtige Entscheidung getroffen (außer mit der Uni. Aber das besprechen wir ein andermal..).

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