Es ist nicht vorbei, es klingt nur anders.

Alte Realität

Posted: January 31st, 2008 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Gedankengebäude, Weltkulturerbe | 25 Comments »

Ich wäre gerne ein Typ. Damit ich so richtig schön Visagen polieren kann. So richtig. Ich würd gern ein muckibepackter Ochse sein, frisch aus’m Solarbunker, mit Jogginghose in den Socken und einer Alpha Industries Jacke. Schwanzgesteuert und schön wütend auf das Leben im Ghetto. Ich hätte Narben auf dem Körper und ‘ne geile Schnalle im Bett. Und wenn die mir einen Blasen soll, dann bläst die mir einen, und wenn ich Hunger hab, dann kocht die für mich, weil ich der Stecher in der Hood bin, weil alle auf mich stehen, Angst vor mir haben, und sogar die Bullen lassen mich in Ruhe, weil ich wenigstens mein Viertel ruhig halte und die Kriminellen kontrollieren kann. Ich bin überheblich, geil auf alles, was sich bewegen kann, ich sag jedem die Meinung, ich scheiss auf Respekt, ich kann keine 4 Sätze ohne Fehler sagen, kaum lesen und schreiben, aber verdammt bin ich gut, jeden Tag trainieren, jeden Tag Fresse polieren von irgendwelchen langweiligen Scheissern die mit Ipods in der Birne rumlaufen, verdammte Hängengebliebenden, geht erst mal Kacken bevor ihr hierherkommt!

Ich hab ‘nen Kampfhund der heisst Atilla, und wer mir zu Nahe kommt der wird zerfletscht! Ich lach die ganzen scheiss Rapper aus die so tun als wären die voll tight, Bushido und so, ihr kleinen Flachwichser, ihr habt doch Angst wenn ihr mir in der Nacht begegnet und ich euch die Hosen runterzieh um euch in den Arsch zu bumsen, euch und eure scheiss Hampelei, “im Ghetto”, ich geb euch Ghetto, hier und jetzt, ihr kleinen Pennern.

Wär ich ein Tarnfarben-Hauptschulabschluss Typ, ich würde mich garantiert “Big Dick der Komaschläger” nennen und Millionen von Typen schlagen, Tag für Tag, einfach nur weil die Scheisse aussehen. Weil diese behinderten Lauchs in ihren schicken BMW’s und Mercedes’ meinen, sie wären was besseres, weil sie in einer terracottafarbenen Wohnung mit Katzenkratzbaum und Platzdeckchen aufgewachsen sind. Weil sie wissen, was ein “Auslandsdefizit” ist und nach irgendeinem teuren Parfum stinken und mit 17 ihr erstes Mal hatten und jetzt im Büro sitzen und bei Starbucks ihren Kaffee schlürfen und mit 28 dann mal zu heiraten und zwischendurch mal eine Affäre zu haben und andere Leute im Fahrstuhl böse anzugucken weil sie ja beim Husten ihre Keime verteilen und dann kriegen sie Kinder, ja, diese Lauchs pflanzen sich fort, und dann nennen die ihre Kinder “Cedric” und “Cillian” und “Justin” und “Jacqueline” und fühlen sich damit total geil und cosmopolitan, und wenn man jetzt bedenkt dass MEINE Kinder auch “Justin” und “Cedric” und am besten gleich noch “Kevin” heissen würden, ich das aber darf weil ich aus einer Asischicht komme, dann, tja dann macht uns das wieder total gleich, und meine Kinder werden dann irgendwann mal deren lauchigen Abendbrotscheissern die Fresse polieren, die werden denen alle Knochen brechen, weil wir mehr sind, weil wir nämlich FICKEN, mein Samen verteilt sich in der ganzen Asidorfgegend, aus der ich komme, und deshalb sind wir mehr, versteht ihr!

Und weiterhin würden wir dann die Autos aufknacken und die Radios klauen und Leute in der S-Bahn zusammenschlagen weil sie hässliche, aufgesetzte Anzüge tragen, weil die im Kopf dreitausend Wahrscheinlichkeiten ausrechnen können, weil die für ein Jahr mal irgendwo nach Australien gefahren sind und da “die härteste, aber schönste Zeit” ihres Lebens verbringen durften, ich zeig denen mal, was hart ist.

Tag für Tag ins Boxstudio, in den Ring, Fresse zusammenschlagen. Abends in den Stripclub, vergiss das Gummi, ich geh doch eh drauf. Dann: Bitch zusammenschlagen, hat sie nicht anders verdient, wenn die für jeden die Beine breit macht. Dann: Drogen verticken, machen die großen Konzerne doch auch nicht anders, mir doch egal was mit den Junkies passiert, den ekligen Batzen. Dann: Selber konsumieren, scheisse, ist doch eh alles für’n Arsch. Dann: Fresse polieren, am besten vom Nachbarn, der immer noch nicht gerafft hat, dass er sich ne neue Fresse zulegen soll, ich helf da nur dabei. Dann: Mama anrufen, soll der Alten noch verklickern, dass die aufhören soll, ständig so ein Geheule auf die Maschine zu labern, ich will mir den scheiss von wegen “du kannst dich noch ändern” nicht mehr anhören. Ich würd mich gar nicht ändern wollen. Dann: Stress mit der Bullerei, haben meine Jungs geschnappt. Dann: Stress mit anderen Jungs, die gehen wir jetzt mal zusammenhauen, ich geh da auch alleine hin, die wissen wohl nicht, wer ich bin. Dann: Zugekokst, im Club, geile Muschis im Schlepptau, die fick, die auch, die sowieso. Dann: Fernsehen gucken, scheiss Penner da draußen, ich scheiss auf eure hübschen, glamourösen Aussichten, auf eure pikfeine Zukunft! Ihr mit euren schicken Schuhen und den Reihenhäusern, ihr behinderten fetten Penner, geht euch einen runterholen!

Scheisse, ich ficke, ich ficke, ihr sitzt vor’m PC und guckt euch Pornos an, ihr geht ins Kino und lacht verschüchtert, ich geb euch gleich was zum Lachen. Und dann wechselt ihr die Straßenseite wenn ihr mich seht und dann weint ihr nachts zu Hause weil irgend’ne Muschi euch nicht ficken will, ‘ne Muschi mit Brille wahrscheinlich die hässlich ist ohne Ende und keine Titten hat, aber zu ‘nem lauchigen Steuerberater passt das ja… fünftausend Jahre Studium, fetter Benz, und alle drei Jahre mal einen Blowjob, HAHA. Dann: Abenteuerurlaub in den Centerparks oder was, mit 65 oder so in Rente gehen, ab nach Malotze, dann abnippeln, und tschüss Herr Mustermann, wir sehen uns in der Hölle, wo ich dich einfach WIEDER in den Arsch ficken werde, weil wir beide schlechte Menschen waren. Nur dass du reich und ich arm war.

Dafür hatte ich wenigstens mehr Spaß.


Stockholm

Posted: October 26th, 2007 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Gedankengebäude | 9 Comments »

Die Videothek ist leer. Lediglich ein kalter Wind weht durch die offenen Türen und Fenster. Ich friere ein wenig, aber eine Jacke anzuziehen sähe lächerlich aus. Ich warte vergeblich auf Kunden, die ich bedienen kann, die mir erzählen, was abläuft, da draußen, in der echten Welt. Stattdessen suche ich CD’s aus dem Regal, die ich noch nicht gehört habe. Ich beobachte Spinnen, wie sie ihre Netzen in den dunklen Ecken weben. Ich drehe Däumchen, und bald auch am Rad. Die Zeit steht still.

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Gefährlich, unsere Filmkultur.

Posted: January 5th, 2007 | Author: septemberRAVEr | Filed under: Gedankengebäude | 6 Comments »

Seit 10 Minuten höre ich von draußen her Sirenen und Alarme und Autos, die vorbeirasen. Nicht direkt bei mir am Haus – selbst bei der größe dieses Kaffs wohn ich immer noch am Arsch der Welt – aber nah genug, um Gänsehaut zu kriegen. Ich stelle mir vor, wie es nächste Woche zu Schulanfang sein wird, wenn jeder betuschelt, was wohl passiert ist. Die Gerüchteküche wird brodeln, R-Town ist in Gefahr, Terroristenanschläge oder irgendwelche Pseudo-Amokläufe werdens wohl gewesen sein, ja ja! Sie tuscheln und jeder fügt der Story noch etwas hinzu, “jaja, diese Frau wurde von einer Horde pyromanischer Analvergewaltiger auseinandergenommen”, und im Radio wird dann berichtet, dass die Frau aussagt, es hätte “sich angefühlt wie rückwärts kacken!”.

Eltern werden sich weiterhin um ihren Ruf kümmern, abstreiten, dass sie jemals ihren Kindern erlauben würden, sich nachts rumzutreiben, sich Sorgen machen um ihre geliebte Brut- als ob Kinder nicht von alleine Superriesenarschlöcher werden könnten. Dann gibt es den Sündenbock, wie immer, der es angestellt hat, haben muss, irgendwer ist doch immer der Depp vom Dienst. Die Zeitungen drücken nur vage Vermutungen über das aus, was geschehen ist, die Polizei liefert kein Statement weil der Täter oder diese bluttrinkende Horde von Monstern noch nicht gefasst wurde.

Aber was erzähle ich da. Im besten Falle ist einfach eine Kuh aus der Herde entwischt, selbst die konnte die Langweile in dieser vereinsamten Stadt nicht mehr ertragen. Dies wird dann mit einem Sonderkommando a la SWAT Team begrüßt, gibt ja sonst nicht viel, was man machen könnte.

(Aber schön wärs gewesen.)