Archive of articles classified as' "Wütend"

Back home

Die schwarze Witwe

16/11/2008

Da war etwas.

Von Anfang an war da etwas. Pure Abneigung, grenzend an Hass, obwohl nur 5 Minuten zwischen “Hallo” und “Oh Gott du kotzt mich so an” lagen. Genau so war das. Da war “geh mir nicht auf die Nerven”, ungefähr tausend Mal. Und vor allem war da: “Wie kann man nur mit so jemandem befreundet sein?!” - Augenverdrehen, gehässiges Gelächter und eine öffentliche Schlammschlacht, in your face.

Was seltsamerweise nicht da war? Ignoranz. Da war kein “Okay, ich mag dich nicht, also lass ich dich in Ruhe”. Es gab auch nicht die Situation, in der man sich “zurechtfindet” und “Kompromisse eingeht”. Es gab Klatscherei, Prügel, und verbale Krankenhausbesuche, aber vor allem gab es Aufmerksamkeit und, man möchte es kaum glauben, Leidenschaft. Leidenschaft darin, sich gegenseitig zu hassen.

Das waren die ersten 30 Minuten.

Was später kam, waren 8 Promille und durchzechte Nächte. Das die anderen irgendeinen Grund haben, um “du kotzt mich sowas von an” mitzunehmen, musste man eben verzeihen. Wer weiß, wann “ich hasse dich aus tiefstem Herzen” wohl auf die Knie gegangen ist und fleissig gelutscht hat. Ich weiß es nicht. Aber eine andere Begründung gibt es nicht.

Nicht für mich.

Trotzdem, oder gerade deswegen, oder unverständlicherweise und ICH WEISS NICHT WIE DAS ERKLÄRBAR ist– ist da doch mehr als nur das. Es ist etwas, dass in mir die Furie rausholt. Ich möchte mit meinen Fingernägeln das Fleisch aufreissen, das Blut absaugen und Schmerzensschreie hören. Ich will die Klamotten loswerden, schlagen und geschlagen werden, wilde Rufe von mir geben und dabei Tränen der Wut weinen.

Halten wir also fest: Leidenschaftlicher Hass, verbunden mit einer unbeschreiblichen Anziehungskraft, die mich schwach macht, kaputt macht. Ich halte es nicht aus, ich will nicht mehr denken oder träumen oder der ganze andere Mist. Ich will mich in meinem Loch verkriechen und “du bist das größte Arschloch dass ich je kennen gelernt habe” in die Tonne treten. Stattdessen muss ich ständig an “Super Egomaniac” denken und kann nichts, rein gar nichts, dagegen tun, außer mir auszumalen, wie “Kotzbrocken Number 1″ einfach schmerzvoll und folternd umbringe.

5 Comments

Durch und durch durchdacht

28/09/2008

Ich werde mich einmal wieder dazu erdreisten, über etwas zu schreiben, wovon ich keine Ahnung habe. Das macht mich höchstwahrscheinlich zu einer ignoranten, voreingenommenen Person. Aber verdammt nochmal, ich steh auch auf Schoko-Bananen-Shampoo ausm DM für 1,70 €. Da werd ich ja wohl mal auch so tun dürfen als ich wäre ich genau diese Person, die man sich am Regal sabbernd dabei vorstellt, wie sie sich zu Hause mit einem so wohlriechenden Duft einschäumt.

Jedenfalls.

Die Lust zu reisen sollte kein kulturelles Muss sein. Keine gesellschaftliche Pflicht. Sich den Rucksack umzuschnallen sollte etwas von Neugier haben, von Unruhe, von Intensität, von Abenteuer, von Ungewissheit, von Lust, von Temperament, von Größenwahn und außerdem machen Rucksackreisen wohl nur Spaß, wenn man dabei Pearl Jam im Hintergrund hören kann. Als eigener Film, sozusagen.

Aber das ist gelogen. Bei solchen Reisen, in fremde Welten, durch den Dschungel, sollte es nicht mal Pearl Jam geben, die einen dabei begleiten, wenn der Penisfisch sich schmerzhaft einnistet. An dieser Stelle gibt es nur Gott, einen kleinen, armen Mann, der sein Pipi nicht mehr halten konnte und einen machtbesessenen Penisfisch, dem ich jeden Respekt zolle, denn ich weiß, dass dieser Fisch sicher auch ein Pendant für die Weiblichkeit hat, und– naja, ihr wisst schon.

Wo das jetzt ausgesprochen ist, kann ich euch auch genau erklären, was ich überhaupt nicht ausstehen kann. Das sind Leute (insbesondere Typen, bei Frauen ist das mehr oder weniger entschuldigt weil sie ab und zu ihre Tage kriegen und emotionale Kriesen in dramatischen Ausführungen durchstehen müssen, schwanger werden und diesbezüglich sowieso unfähig sind irgendetwas richtig zu machen) , die ein Jahr im Vorraus sich erstmal 4 Monate frei nehmen vom Job. Dann sitzen sie mit ihrem Weib oder der Affäre des Tages oder irgendeiner anderen fickbaren Muschi am Esstisch zu Hause und überlegen, ob nicht Thailand die richtige Wahl wäre! Weil Mama und Papa auch gerne pampern, muss man sich gar nicht zurückhalten bei den Ausgaben- hier ein Hotel, da ein Hotel, da die Führung, da dies, da jenes, und weil das Budget eigentlich unbegrenzt ist, kann man doch gleich noch drei, vier andere angrenzende Länder mit einbeziehen. All inclusive, versteht sich.

Da werden Reiseführer studiert (und zwar nicht nur einer oder zwei zum jeweiligen Land; nein, man kauft sich auf jeden Fall mal von jedem wichtigen und von einem unwichtigen Verlag drei oder vier Ausgaben, um auch alles abgedeckt zu haben); Erfahrungsberichte werden auswendig gelernt und den Freunden, die es noch interessiert, zum Sonntagsbrötchen aufgetischt. Wusstet ihr, dass es in Vietnam keine asphaltierten Straßen gibt? (Anmerkung: Ich hab keine Ahnung, ob das stimmt, es soll nur meinem Beispiel dienen.) Nein? Ich weiß alles darüber!

Man tastet sich langsam an die Kultur heran, indem man schon alle lokalen Restaurants in der Umgebung ausprobiert, um eine Ahnung davon zu kriegen, woran man sich gewöhnen muss. Man packt die ganz wichtigen Medikamente natürlich ganz oben rein, man weiß ja, dass es am Anfang schwierig wird. Schließlich kauft sich unser Freund noch den richtig teuren Rucksack, die teueren Trekking Klamotten, die teuren Schuhe, die mittel-teure Uhr und die mittel-teure Sonnenbrille (könnte ja geklaut werden), noch eine richtig teure Digitalkamera (SPIEGELREFLEX), manchmal macht man davor am besten noch einen Crash-Fotokurs, einfach gut, einfach strukturiert, völlig geplant.

Kotzen.

Ja, ich krieg das Kotzen. Und ja, ich weiß dass ich noch nie so eine Reise gemacht habe, aber verdammt noch mal, wisst ihr, was das für Leute sind, die ihr Leben so aufziehen? Das sind Leute, die Golf spielen (nicht, weil es Spaß macht, das soll’s ja auch angeblich geben, sondern weil man sich dadurch ganz leicht das Gefühl geben kann, ein bisschen in die besser verdienende, schöner aussehende Klasse gerutscht zu sein)! Das sind Leute, die nicht mal in einer deutschen Großstadt einen Stadtplan oder irgendwelche Sehenswürdigkeiten in Erwägung ziehen würden, weil es Deutschland ist. Das sind Leute, die eine Reise machen, um eine Reise gemacht zu haben- um am Ende der Familie und den Freunden die Dias auf den Tisch zu knallen und die lustigen Geschichten zu erzählen.

Aber was für eine Art von Erfahrung ist das? Das sind Typen, die nicht ohne ihre Muschi reisen können, denn alleine macht’s keinen Spaß. Das sind Leute, die sich das nicht erarbeitet haben, sondern sich so eine “dreckige” Reise als Statussymbol, als ein Prestige gönnen- wow, sie haben sich dazu erniedrigt, mit dem einfachen Volk durch den Sumpf zu stampfen.

Und wenn mir dann auch noch jemand ganz stolz was davon erzählt, nur um es zu erzählen (da liegt der Knackpunkt)- dann beeindruckt mich das nicht. Erfahrungen sind nicht für andere. Die sind für einen selbst. Und dieser Reisewahn, dieser verfluchte Mainstream, dieses “Into-The-Wild”-Phänomen– alle wollen Aussteiger sein, alle wollen sich gesellschaftlich abheben, aber sehen sie denn nicht die Ironie dahinter? Diesen großen Witz, dass es eben nicht darum geht, mal woanders gewesen zu sein, und eine andere Kultur beobachtet zu haben, sondern dass man sie erlebt? Wirklich fühlt, so gut es geht, und den Konflikten nicht aus dem Weg geht sondern etwas neues zu finden, dass einen selbst bereichert..  der Reiseführer, die Bustouren und die finanzielle Ungebundheit (über die ich mich gerade eigentlich gar nicht beschweren will- ich stells mir nur nicht wirklich spannend vor, wenn man sich aus allem rauskaufen kann) lenken einen vom Wesentlichen ab. Das ist nicht nur in fremden Ländern so- es ist auch so wie im ersten Teil von Harry Potter, als Hermine feststellen musste, dass sie nur durch das Bücher wälzen niemals lernen wird, wie man einen Besen fliegt. Man muss sich darauf einlassen. Man muss darin aufgehen.

Wenn man das weder in Bremen, Darmstadt, Wanne-Eickel noch irgendeiner anderen Puffstadt kann, dann wird das in Alaska, Südafrika oder Bolivien wohl auch nichts mehr. Vielleicht bin ich ungerecht, voreilig, abstempelnd- vielleicht haben diese Menschen, die diese Sache so angehen, das gleiche Recht auf eine Rucksacktour wie der verdreckte Typ der es sich hart und mit leidenschaft erarbeitet hat. Dennoch bin ich nicht überzeugt davon, dass es die gleiche Qualität hat. Nun gut, vielleicht braucht es der eine mehr als der andere-  als Impuls und als Wegweiser.

Seht ihr, ich würde auch niemals einen belämmerten Club-Urlaub machen, oder nach Malotze an den Ballerman fahren um mal so richtig durchgetestet zu werden- oder an irgendeinen Strand in Ägypten mit All-Inclusive Paket für die ganze Familie, und das einzige, was man vom Land sieht ist die hässliche Wüste auf der Strecke Flughafen-Hotel. Es gibt aber Menschen, die machen das gerne, die wollen nicht mehr und nicht weniger und dagegen habe ich absolut nichts- jeder so, wie er es braucht. Aber diese verschissenen Lackaffen, die eigentlich genau in diesen Cluburlaub gehören, denken sich: Oh nein, oh nein! Cluburlaub ist was für die Mittelschicht (oder was weiß ich wie und ob das überhaupt rationalisiert wird)! Es ekelt mich an. Rucksackreisen für die Schickeria.. nicht ernst gemeint, nicht vom Herzen aus, sondern nur die Grundausbildung zum Posen..

Und deshalb können mich diese braungebrannten Gigolos in Polohemd und Tennisattitüde mal ganz dezent am Arsch lecken.

11 Comments

Convenient, Mr. Officer. Very… Convenient.

21/09/2008

Ächz. Das war ja mal wieder klar. Gestern hat die Bullerei bei uns an der Haustür geklingelt, weil mein Auto eine Schramme hat. Ja, genau. Weil mein Auto eine Schramme hat.

Ich dachte auch zuerst denen wäre nun endgültig zu langweilig um ihren Beruf auszuüben, aber es stellte sich heraus dass irgendein feiner nagelneuer tiefschwarzer Porsche XY in der letzten Woche wohl ziemlich angedotzt wurde, es rote Lackspuren gab und ein Zeuge sehen konnte, wie ein roter Opel Astra mit quietschenden Reifen davon fuhr. Ich war’s nicht, ich sabber immer, wenn ich Porsche sehe, und würde nicht ums Verrecken auf die Idee kommen, Fahrerflucht zu begehen- schon gar nicht nach der Story, die mein Bruder abgezogen hatte vor einem Jahr (hat beim rückwärts fahren ein Auto umgehauen und ist einfach davongeflitzt. Dumm nur dass das genau bei seinem Arbeitsplatz passierte, und er ja desöfteren mal dahinmusste, um, naja, zu arbeiten. Gott, der Vollidiot). Nach unzähligen Sozialstunden und eine Millionen (oder so) Euro Schulden beim Anwalt war’s dann irgendwann gut, aber mir hat’s einiges beigebracht, nämlich dass man a) nicht einfach mal rückwärts fährt ohne nach hinten zu gucken und b) sich danach verpisst wenn’s direkt vor dem Ort passiert ist wo man ungefähr jeden Tag mindestens 9 Stunden rumparkt.

Anyway. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich es nicht war, zumal die Schramme meines Wissens nach schon immer da war (bei dem zerbeulten Auto ist es sowieso eine Kunst, diese kleine Schramme (übrigens mit schwarzen Spuren, aber kein Lack) zu erkennen).

Ich hab mir also nichts großartiges dabei gedacht, die Beamten tun ihre Arbeit und kriegen wahrscheinlich noch einen saftigen Finderlohn wenn sie den Täter ausfindig machen (sie haben mir stundenlang und sehr geduldig erklärt, dass die Vollkasko ohne Täter nichts zahlt, was für mich irgendwie keinen Sinn macht, aber nun gut).

Heute bin ich dann zu Mäcces gebrettert um was zu essen (ist ja vor Sonnenuntergang hier zu Hause ein Tabu, wie der aufmerksame Leser sicher weiß). Auf dem Rückweg kommt mir ein Polizeiauto entgegen. Es fährt ein paar Meter weiter, dreht und verfolgt mich.

OH ja. Verfolgt mich.

Ich hab die Pummelfeen schon gerochen ey. So eine Scheisse. Ich hab sofort nasse Hände bekommen und GEBETET dass sie an der Ampel abbiegen würden. Nixda. Das Problem is nämlich, dass ich seit fast zwei Jahren keinen Führerschein habe. Also, das Kartendingens, nicht die Erlaubnis. Mir wurde im März 2007 nämlich mein Geldbeutel geklaut und seitdem renn ich ohne den Scheiss rum. Hat bisher prächtig funktioniert. Nur leider nicht heute.

Heute hat der gute Beamte, nennen wir ihn Herr B., gemeint er hätte das Tatauto vom Porscheunfall entdeckt (hat sich bestimmt schon an die Eier gelangt und sich seine fette Gehaltserhöhung in Schinkenkilo vorgestellt), und mich einfach mal so aus dem Verkehr gewunken. Allgemeine Verkehrskontrolle, am Arsch allgemein. Dumm nur eben, dass ich keinen Führerschein hatte. Ich konnte ihm zwar den Wisch zeigen, den ich damals von der Polizei bekam, aber ich hätte echt lieber sagen sollen, dass ich ihn vergessen habe- denn jetzt muss ich den scheiss Führerschein, der mich ungefähr dreihunderfünfundsechzigmillionen Euro kostet, neu beantragen - bis nächste Woche. Und außerdem war der behinderte Verbandskasten voll abgelaufen, und ich glaube, die haben geglaubt, ich wäre irgendwie aus’m Arsch geboren und vollbekloppt weil ich von nix ne Ahnung hatte. Tja.

Es würde mich ja kaum ärgern, WENN ICH NICHT UNGEFÄHR ZWEI JAHRE LANG OHNE DIESES SCHEISS DING GUT GEFAHREN BIN UND NÄCHSTE WOCHE IN EINE GROSSSTADT ZIEHE WO ICH SOWIESO DIE NÄCHSTEN DREI JAHRE KEIN AUTO HABEN WERDE!!!!!
AAAAH.

Boah krieg ich nen Krampf grad.

6 Comments

Drauf

9/09/2008

Ich kann mir selbst nicht helfen: es verlockt mich immer mehr dazu, Menschen auf die Fresse zu geben, bis sie bluten. Teilweise muss ich mich wirklich zusammenreißen, um nicht mit einem Kampfschrei auf die ganzen Idioten loszugehen. Mütter, die ihre Kinder im Supermarkt rumrennen lassen und sie dann anschreien, wenn sie was umstoßen oder kaputt machen. Die fetten Hausfrauen, die jeden anpöbeln müssen, nur weil sie wieder schlecht mit Horst gebumst haben. Die Omas, die sich über viel zu laute Musik beschweren, weil sie selbst die Töne nicht mehr unterscheiden können. Teenager, die kotzend über’m Zaun hängen und halbnackt frierend am Bahnhof stehen weil’s wieder viel zu viel war. Geleckte Schmasentypen, die der Kellnerin die Kreditkarte reichen und mit einem schleimigen Lächeln sagen: “Buch ab was du für richtig hälst, baby”. Pseudohedonistische Mittzwanziger, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen aber ständig druff sind und wieder “den besten DJ der Welt getroffen” haben. Menschen, die versuchen, ihr Inneres durch ihr Äußeres auszudrücken und dabei immer noch so aussehen wie alle anderen Idioten. Die Macher vom Vice-Magazin, die nicht provokant oder künstlerisch sind, sondern schlichtweg geschmacklos. Überhebliche Arschlöcher, die bei jedem Gespräch grinsen und meinen, sie wüssten alles besser. Beamte, die einen in der Kälte stehen und warten lassen, weil sie sich zuerst den Spinat aus den Zähnen pulen müssen und gerne noch Milch im Kaffee hätten. Vierzehnjährige Mädchen, die in aller Öffentlichkeit mit zwanzig verschiedenen Typen rumknutschen, um zu beweisen, wie cool sie doch sind. Kiffer, die nur noch sabbern und keinen mehr hochkriegen und dann einfach weiterkiffen “weil sowieso alles scheisse ist”.

Ich falle von mir aus in jeder dieser Kategorien rein. Und vielleicht ist das auch der einzige Grund, warum es mich überhaupt so ankotzt. Aber trotz allem ist es das, was mich dazu bewegt, es zu ändern- mich zu ändern.

Ich bin ab nächste Woche Montag übrigens in Berlin, auf Wohnungssuche. Wer noch Tipps, Ideen oder Anregungen hat, Kontakte (leerstehende Zimmer, irgendwelche WG’s, blah blah blah), der darf gerne Bescheid sagen.

10 Comments

Krankheit

2/09/2008

Mich interessiert niemand mehr. Ich erinnere mich nicht an Geburtstage, ich scheiss drauf ob ich anderen weh tue und verhalte mich so egozentrisch wie es mir nur möglich ist. Interessanterweise wurde mir dieses Verhaltensmuster vorgeworfen, als es nie so war, und jetzt- jetzt scheint es jedem genauso egal zu sein wie mir.

Seht ihr, es hat nichts mit antisozialen Charakterzügen zu tun- es ist nur die höchste, purste Ignoranz, die man sich wünschen kann. Ja, ich ignoriere den Weltschmerz, ja, ich ignoriere die Wirtschaftsflaute und ja, ich kümmere mich mit Vorliebe um mich selbst, auch wenn ich nicht Samantha Jones heisse und dreiundachtzig Dildos besitze. Und es bockt niemanden mehr! Mich macht es halbwegs glücklich, keine Tränen mehr vergießen zu müssen, weil mich sowieso nichts jucken kann, und den Rest langweilt es höchstens, meine apathischen Zustände zu ertragen.

Dabei ist der Schnaps mein bester Freund. Bald gesellen sich noch viele andere kleine Freunde hinzu, habe ich das Gefühl: abtöten, was noch da ist, um die letzte Phase nicht mehr ganz so schlimm in Gedanken zu haben, wenn es mal vorbei sein sollte. Ich bin der geborene Alkoholikher: Ich werde nicht traurig, ich werde nicht still, ich flippe auch nicht aus, nein, ich vergesse, und dabei hab ich schon viel mehr gewonnen als man denken mag.

Ich vergesse, was es heisst, schwach zu sein. Ich vergesse, wie es ist, mit Worten geschlagen zu werden. Ich vergesse, dass meine Träume je existiert haben, ich vergesse, dass Witze witzig sein müssen, damit man lachen kann, ich vergesse, wie ich heisse und damit auch mein Leben, ich vergesse meine Vergangenheit und das, was noch kommen wird, ich vergesse, dass Geld die Welt regiert und Ecstacy schlecht fürs Immunsystem ist.

Und das ist gut so. Ich kann den Tag verpennen, die Stirn runzeln wenn mir das Arschloch der Nation gegenübersteht, grummlig sein, hungover sein, jeden anfucken, der mir in den Weg kommt, so tun, als würde ich unter Depression leiden (dabei ist es nur ein Kater) und jedem den Fickfinger geben, der ihn sehen will- ohne gefragt zu werden, was los ist. Denn jeder hat Angst vor der Antwort, die dann kommen wird, die Antwort, die sie beschuldigt und selbst zum Täter macht, mich eingeschlossen, wohlgemerkt: Sich selbst zu schaden ist auch kein Opfer.

Ist ja auch egal. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass nichts mehr interessiert, und man genauso gut den Tequila runterstürzen kann, wenn es erst mal soweit ist. Und hoffen, dass sich die wichtigen Dinge alleine regeln. Dass man einfach die Augen verschließen kann. Wenns gar nicht mehr geht, gibt es ja immer noch Heroin.

5 Comments

Quittung

27/08/2008

Oh ja, wenn ich denen mal alle ins Gesicht kotzen könnte.. ich würd’s tun. Wirklich. Diese verschissenen Idioten, die meinen, alles besser zu wissen als ich. Die mich herumschubsen und zu Dreck stauchen. Nicht mal für Fehler, sondern für das, was ich bin.

Wirklich ins Gesicht kotzen. Und langsam stellt sich heraus, dass ich fast jeden Mann in meinem Leben irgendwie verachte, hasse, oder zumindest akut umbringen möchte. Mein Vater, der taktlose und völlig exzentrische Choleriker, der keine sozialen Kompetenzen vorweisen kann; mein Bruder, der sich als Bundeswehrmann profiliert, zum herablassenden Klugscheisser geworden ist und meint, er wäre der Chief, obwohl er selbst keine Ahnung hat, was er mit seinem Leben anfangen soll- dabei behandelt er mich nicht mehr wie eine Schwester, sondern wie ein kleines, unzurechnungsfähiges Stück Scheisse, mit dem man einfach so umspringen kann, wie man will; meine Kollegen auf der Arbeit, die mich den ganzen Tag nerven und fragen warum ich so “traurig” aussehe um eine Ausrede dafür zu haben, mir auf die Schulter zu klopfen oder zufällig mal an den Arsch zu langen; die gutaussehenden Typen, die nicht mal zwei Gehirnzellen in der Birne haben und höchstens ihren kleinen Freund zum Denken einschalten; die Hängi-Typen, die mich als arrogantes Biest bezeichnen, nur weil ich leider gerade keinen Kopf habe um “Freundschaft und vielleicht auch mehr” zu knüpfen; meine besten Kumpel, die sich hängen lassen, mich hängen lassen und alles irgendwie scheisse aussehen lassen; die Typen, die ich mal gut fand, die einfach nicht mehr da sind.

Nicht, dass es mit Frauen irgendwie besser wäre. Aber ich denke ich habe die Freundinnen gefunden, die ich einschätzen kann. Und außerdem geht es dabei nicht um Sex, was schon mal 50% aller eventuellen Probleme aus der Welt streicht.  Bis auf die Fotze vom Arbeitsamt sind es wirklich nur die Männer. Die verschissenen Männer, die mir das Leben schwer machen.

Bald, sofern mein Vater mal seinen Sabberfaden wieder aufnehmen kann und aufhört, rumzubrüllen, um den Bafög-Scheiss auszufüllen, bin ich weg hier. Und bis auf meine Mutter und meinen kleinen Bruder vielleicht werde ich garantiert niemanden vermissen. Niemand mehr, der mir in mein Leben quatschen kann, niemand, der mich wie ein Stück Scheisse behandelt. Nur noch ich, und das, was daraus wird.

8 Comments

Ebay Massaker

29/07/2008

In dieser Konsumwelt, wo ein Embryo es schon im Mutterleib schafft, mit dem Magen um den größeren Anteil an Futter zu feilschen, muss man wahrscheinlich schon ein mental komplett ausgeschalteter Schwachmat sein, um bei Ebay ungefähr 30% mehr für etwas zu bezahlen als irgendwo anders.  Ladies und Gentlemen, ich präsentiere: Mich.

Das fängt immer damit an, dass ich irgendeine Newsletter von irgendeinem sauteuren Onlineshop bekomme, wo irgendwas ganz besonders laut nach meinem Namen schreit (meistens ist es bunt und kann an den Füßen getragen werden). Just in diesem Augenblick fallen mir achtzig andere Sachen ein, die ich unbedingt ganz dringend jetzt brauche und mir keineswegs leisten kann, und dann fällt mir ein, oh, vielleicht hab ich ja Glück bei Ebay, so wie beim ersten Mal, das war ganz toll, auch so ein Zufall! Die anderen, unzähligen Male, bei denen ich mich in einen Rausch klickte und nicht mehr aufhören konnte mitzubieten, werden von meinem Bewusstsein (partielle Steuerung bzw. manifestierte Gehirnstörung wird sowas genannt) sauber ausgeblendet. Verdrägung, liebe Leser und Leserinnen, ist eine sehr machtvolle Funktion eines suizidgefährdeten Körpers, lasst euch das gesagt sein.

Tja. Und weil ich ja nicht mitbiete, um so billig wie möglich wegzukommen, sondern weil ich unbedingt gewinnen will (aah, es tut so weh), habe ich heute für eine Haarkur ungefähr 30 Euro ausgegeben. Und für Batmanbettwäsche (immerhin neue) knapp 40. Und es kommen noch viele andere Sachen, bei denen ich mitbiete und es absolut nicht abhaben kann, wenn irgendein Arschloch da jetzt noch 30 Cent drauf knallen muss (”DREISSIG CENT! DASS ICH NICHT LACHE! HIER, MEINE ZEHN EURO ÜBERBIETEST DU EH NICHT, BAM!”), und bald folgt der Schufa-Eintrag und dann kann es bis zur Peter Zwegat Schuldenberatung auch nicht mehr weithin sein. Ach, alles geht den Bach runter.

Immerhin hat mich das jetzt mal dazu bewegt, Überflüssiges aus dem Schrank zu räumen und selbst bei Ebay für ungefähr nen scheiss schimmelnden Apfel und ein totes Huhn oder so zu verscherbeln. Wobei ich da jetzt gar keine Wahl mehr habe, irgendwie muss ich den ganzen Schrott ja bezahlen. Ich bin echt ein wirtschaftlicher Totalschaden. Kann mal bitte jemand mit dem Finger auf mich zeigen und mich für meinen Studienwunsch auslachen?

Jetzt nur noch hoffen dass ich den Job morgen kriege. Und wie gut, dass ich keinen Dispo habe.

7 Comments
Close
E-mail It